Martin Müllen: Reifeprobleme bei Stainless Cap

Martin Müllen ist Winzer in Traben-Trarbach (Mosel) und hat mit dem Alternativverschlüssen Erfahrungen gemacht - nicht die besten. Müllen bemängelt vor allem das im Vergleich zu Kork-verschlossenen Weinen veränderte Reife:

 

"Wir haben nun schon einige Erfahrungen mit Kronkorken (Stainless Cap), mit Schraubverschüssen (Long Cap und MCA, sowie LongCap mit Zinn/Saran) gesammelt. Unsere Erfahrung zeigt, das die mit Drehverschüssen versehenen Flaschen ganz anders reifen, wie Flaschen (der gleiche Wein!) mit Naturkorkverschluss. Die Naturkorkvariante zeigt einen viel besseren und auch natürlicheren Geschmackseindruck als z.B. die Variante mit Stainless Cap.


Die anfänglich größere Fruchtigkeit (bei Stainless Cap) verschwindet in Minutenschnelle. Belüftung des Weins wirkt oft negativ, der Weingeschmack wirkt schnell leer und nichtssagend. Diese Eindrücke treten verstärkt nach dem zweiten Lagerjahr auf. Wir verschließen zur Zeit nur einige Weine, die innerhalb von 1 -2 Jahren getrunken sind mit Drehverschluss.


Zur Zeit haben wir wieder einen größeren Versuch laufen. Long Cap mit Zinn/Saran-Verschluss könnte ein guter und dauerhafter Verschluss sein, da bei dieser Variante ausschließlich eine Zinnfolie mit dem Wein in Kontakt kommt."

Dornier und Diam - offenbar eine Erfolgsgeschichte


Raphael Dornier (Weingut Dornier, Stellenbosch)

Raphael Dornier leitet das Weingut Dornier im südafrikanischen Stellenbosch. Und genau in dieser Weinbauregion scheint sich der DIAM-Verschluss durchzusetzen. Dornier jedenfalls ist überzeugt, vor allem für seine Drittlinie Cocoa Hill, vielleicht aber auch für die zweite Garde. Mit dem Schraubverschluss hat Dornier dagegen keine guten Erfahrungen gemacht.

"Der Diam Anteil wächst vor allem mit dem Cocoa-Hill-Red-Volumen. Dieses
wird wegen der großen Nachfrage im nächsten Jahr auf 130.000 Flaschen
erhöht was, einem Anteil von rund 40 Prozent entspricht. Wir überlegen uns, den Diam-Verschluss für die Dornier Range (Merlot, Pinotage, Cabernet), wollen aber hier keine Vorreiter sein. In diesem Segment braucht es noch etwas mehr Aktzeptanz vom Konsumenten. Beim "Donatus White "wenden wir uns vom Drehverschluss weitgehend ab, da die Vergleichstests geschmacklich eindeutig für den Naturkorken gesprochen haben."

Zufrieden mit dem Diam-Korken


Familie Bein, Luca und Ingrid

Luca und Ingrid Bein führen ein kleines, auf die Rebsorte Merlot spezialisiertes Weingut in Stellenbosch (Südafrika) und haben sich nun entschlossen, den bisher genutzten konventionellen Naturkorken zugunsten des auch Diam genannten behandelten Korks auszutauschen. Mit dem Produkt der Firma Oeno Bouchage sind sie "bisher äußerst zufrieden". Ingrid Bein, gebürtige Schweizerin, fährt fort: "Bevor wir uns entschlossen, nunmehr nur noch den Oeno Korken einzusetzen, haben wir ausgiebig Untersuchungen studiert. Vor allem in Australien wurde er ausgiebig getestet, und zusätzlich haben wir bei großen Wineries nachgefragt. Auf den ersten Blick sieht man gar nicht, dass es sich um einen Oeno-Korken handelt, er ist auch beschriftet wie der normale Korken. Das Plop- Gerausch beim Entkorken ist dasselbe."

 

Wissenschaftlich bestätigt

 

Zu diesem Ergebnis passt eine Studie aus der französischen Fachzeitschrift Revue des Oenologues vom Juli 2006. Danach soll das Material, aus dem Diamkorken hergestellt werden, nach der patentierten Behandlung deutlich weniger Aromen abgeben als zuvor. Vor allem die muffigen, modrigen Noten des Naturkorks waren in einer Studie verschwunden, dagegen konnten noch dezente, an Vanille oder Gegrilltes erinnernde Aromen festgestellt werden. Diese scheinen allerdings zumindest mit Rotweinen oder barriquegereiften Weißweinen zu harmonieren.

Mit dem Diam haben auch andere Weingüter schon Erfahrungen gesammelt. So verschloss etwa das Weingut Gessinger (Mosel) im Jahrgang 2006 einen Teil seiner Weine mit diesem Korken. Weitere Nutzer sind

in den USA z.B.:

Cosentino Winery (www.cosentinowinery.com)

L'uvaggio di Giacomo (www.uvaggio.com)

Michael Pozzan Winery (www.michaelpozzanwinery.com)

...in Australien:

Spencer Hill Estate (spencerhillwine.com)

Tasman Vay winery (www.tasmanbaywine.com)

Hanging Rock Winery (www.hangingrock.com.au)

Premium Schild Estate Wine (www.schildestate.com)

Verschraubt, aber unsichtbar...


Die Winzergenossenschaft Nordheim steigt zumindest teilweise auf den Schraubverschluss mit innen liegendem Gewinde um, den Stelvin Lux+. Erstmals in Deutschland wurde in Nordheim eine vierköpfige Verschlussmaschine eingesetzt, die von der französischen Firma Zalcan hergestellt wird.

"Neben geringeren Energiekosten sowie kleinerem Platzbedarf bietet diese neue technische Einrichtung insbesondere für Weinbaubetriebe mit hohen ästhetischen Ansprüchen neue Möglichkeiten", erklärt Oskar Noppenberger, der Geschäftsführer von DIVINO Winzergenossenschaft Nordheim.

Der fränkische Erzeuger hat nun außer Natukork, Kunststoff, herkömmlichem Schraub- sowie dem Alcoa-Glasverschluss eine fünfte Verschlussvariante im Angebot.

Der Stelvin Lux+, wie ihn auch die WG Nordheim verwendet. (Foto: Alcan)

Bernhard Fiedlers sehr persönliche Erfahrungen mit dem Schraubverschluss

Bernhard Fiedler ist Winzer im österreichischen Mörbisch am See.

 

In seinem Weblog (www.bernhard-fiedler.at) beschreibt er seine Erfahrungen mit dem Schraubverschluss: "Wie verkosteten aus unserer Privatvinothek je eine Flasche Pinot blanc 2004 mit Schrauber und Naturkork. Da wir beim 2004er erstmals auch Schraubverschlüsse verwendet haben, bietet dieser Wein für uns die bislang einzige Möglichkeit, um eigene Vergleiche in Sachen Flaschenreife anzustellen.

 

Nach knapp zwei Jahren in der Flasche war der Unterschied zwischen Schrauber und Naturkork richtiggehend dramatisch. Dramatisch inexistent nämlich. Weder in der “klassischen” Blindprobe noch im Dreieckstest zu verifizieren.

 

Nun könnte man natürlich sagen, dass das für den Kork spricht, der trotz Gasdurchlässigkeit auch fruchtbetonte Weißweine nicht rascher altern läßt als der de facto gasdichte Schrauber. Genausogut aber kann man sagen (was ich hiermit tue ), dass der Schrauber den Weinen auch eine Entwicklungsmöglichkeit bietet und daß bei entsprechender Vinifizierung negative reduktive Entwicklungen wie hier beschrieben auch nach zwei Jahren nicht sein müssen.

 

Zwei Jahre sind natürlich nicht der entgültige “Beweis”, aber wenn man davon ausgeht, daß die Entwicklung des Schrauber-Weines halbwegs linear weitergeht (und ich sehe keinen Grund, warum sie das nicht tun sollte) und wenn man weiß, dass die meisten unserer Weine innerhalb von zwei bis fünf Jahren getrunken werden, dann ist das zumindest ein starkes Indiz. Der Naturkork-Kunststoff-Vergleich vor einigen Jahren zeigte nach zwei Jahren bereits sehr deutliche Differenzen.

 

…und die Akzeptanz im LEH

 

Heute war die Weineinkäuferin einer der großen LEH-Ketten bei uns zu Gast. Da sie persönlich auch ein Schrauber-Fan ist, habe ich sie nach der Akzeptanz des Schraubers im LEH-Alltagsweingeschäft gefragt. Und eigentlich hätte ich mir erwartet, daß der LEH eher vorsichtig an die Sache herangehen wird. Schließlich kaufen vor allem Leute Wein im LEH, die nicht gerade zu den gut informierten und eher schrauber-freundlichen Weinfreaks zählen. Leute, deren Bindung an eine Weinmarke nicht so groß ist, wie die der Direkteinkäufer an “ihren” Winzer. Die also leichter den Wein oder Winzer wechseln, wenn der auf den ungewohnten und “billig” wirkenden Schraubverschluss umstellt.

 

Dem scheint aber nicht so zu sein. Man hat bei Weinmarken, die von Kork (oder Kunststoff) auf Schraubverschluss umgestellt wurden keine nennenswerten Veränderungen der Verkaufszahlen feststellen können. Und die Einkäuferin fordert zwar noch keine Umstellung ihrer Lieferanten auf den Schrauber, aber sie nimmt ihn erfreut zur Kenntnis, wenn er vom Winzer aus erfolgt. Offenbar ist der Otto-Normalweintrinker wesentlich weniger konservativ oder dogmatisch was den Verschluss betrifft, als angenommen."

Fragen an Rosemount-Europa-Chef Udo Koschinski

Udo Koschinski, Rosemount

Herr Koschinski, warum hat Rosemount auf Schraubverschluss umgestellt?

 "Die Chef-Winemaker von Rosemount Charles Whish und Matthew Koch befürworten den Schraubverschluss aus folgenden Gründen:

•  Die Abfüllung aller Weine in Flaschen mit Schraubverschluss garantiert
die Bewahrung des frischen Charakters unserer Weine und gewährleistet, dass jeder Wein genau so schmeckt, wie ursprünglich von uns vorgesehen. Die leider immer häufiger vorkommenden Korkfehler, wie Oxidation oder
Schimmeltöne, werden so vermieden.

• Wir führen mit dem gesamten Team regelmäßig Blindverkostungen durch, um den Alterungsprozess unserer Weine unter Kork im Vergleich zum
Schraubverschluss zu verfolgen. Die Ergebnisse belegen, dass junge, mit
Schraubverschluss verschlossene Weine während des Alterungsprozesses
insgesamt frischer und lebhafter bleiben als die gleichen Weine unter Kork.

• Die Einführung von Schraubverschlüssen ergänzt perfekt den neuen Look der Rosemount-Weine und die Rückkehr zum klaren, jugendlich frischen, und
fruchtbetonten Weinstil."

Wie ist die Akzeptanz der Kunden?

"Die Akzeptanz ist unglaublich hoch. Die anfängliche Skepsis ist längst
gewichen. Unsere Kunden und vor allem Gastronomen die Gastronomen lieben drei Faktoren am Schraubverschluss

a)     unkompliziertes und vor allem sekundenschnelles Öffnen der Flasche
b)     Wein bleibt frisch, auch nach dem erstmaligen Öffnen
c)     Risiko eines Korkfehlers völlig ausgeschalten
d)     stehende Lagerung"


Schraubverschluss in Londons Gastronomie

Der Sommelier Alvaro Marcos Garcia ist Chefsommelier im InterConti London und überzeugt vom Schraubverschluss.

 

Die Online-Spezialausgabe des Decanter, Decantertrade, befragt den Chefsommelier im gerühmten Restaurant des Londoner InterContinental nach Trends.

 

Was die Kunden von Schraubverschlüssen hielten, lautet eine Frage. Die Antwort von Alvaro Marcos Garcia: "Schraubverschlüsse laufen sehr gut". Diese Verschlussalternative werde populärer. Nur noch eine Minderheit von "altmodischen" Weintrinkern bevorzuge Kork, weil sie den Schraubverschluss als minderwertig ansehe - die Mehrheit sei mittlerweile überzeugt, dass es sich bei dieser Verschlussalternative um die beste Option handele.

Bruno Fuchs: Syncor statt Nomacork

Gegen Glas- und Schraubverschluss hat Bruno Fuchs, Chef des renommierten Weinguts Leo Fuchs in Pommern, nicht das Geringste. Doch das Problem ist das Wasser. Da die Lagerräume unweit der Mosel vom Hochwasser bedroht sind, kommen nur Natur- bzw. Kunststoffkorken infrage.

Bei letztgenannter Verschlussvariante ist Fuchs soeben von Nomacork zu Syncor gewechselt - obwohl Syncor-"Korken" mittels Spritzgussverfahren hergestellt werden und härter sind als die per Koextrusion erzeugten Nomacork-Verschlüsse.

Doch Fuchs hat bei Prämierungen zahlreiche Diskussionen über Nomacork erlebt. "Aufgrund dieser Erfahrungsberichte bin ich zu Syncor gewechselt."

Andere Experten aus der Weinbranche werden deutlicher. Ein Kellermeister aus Rheinhessen berichtet von Fehltönen, die er in vielen Weinen fände, die mit Nomacork verschlossen seien.

Ob diese Erfahrung repräsentativ ist, kann derzeit nicht überprüft werden.

Flagstone experimentierte mit Spezial-Schraubverschluss

Das südafrikanische Weingut Flagstone experimentierte kurzfristig mit einem Schraubverschluss, der einen innen liegenden Mini-Korken enthielt. Doch dies stellte sich als einmalige Angelegenheit heraus.

Die Stellungnahme des Weinguts: "Wir haben das nur mit dem 2001er Music Room ausprobiert - speziell für diesen Wein. Doch der Schraubverschluss hat unsere Erwartungen übertroffen, und wir sind jetzt zu 100 Prozent sicher, dass der Schrauber in der Weise wirkt, die wir erwarten".

Weingut Feiler-Artinger: Spezialist für Schraubverschlüsse

Feiler-Artinger: Gastronomie verlangt Schrauber

Kurt Feiler-Artinger, Weingut Feiler-Artinger (Burgenland):

Wir füllen derzeit 
- Trockene Weißweine nur Schrauber
- Trockene Rotweine klassisch ausgebaut Kork und
Schrauber
- Top-Rotweine Kork und Schrauber
- Süßweine Kork (Großteil) und Schrauber

Unsere Kunden akzeptieren zunehmend den Schraubverschluss. Besonders in der Gastronomie (auch in Toprestaurants) wird nach Schraubern gefragt, und diese werden bevorzugt. Wir haben auch Sonderfüllungen im Toprotweinbereich, bei denen wir nur Schraubverschluss (auch für die Magnum) anbieten, weil Herr Feiler von diesem Verschluss so überzeugt ist.

Johann Peter Reinert: Kunden rechtzeitig informiert

Johann Peter Reinert leitet ein kleines Weingut an der Saar. Für einige seiner Rieslinge ist er auf Glasverschluss umgestiegen - mit sehr guten Erfahrungen. "Wir haben unsere Kunden schon vor der Umstellung ausführlich informiert", so Reinert. Im Gutsausschank lagen schon ein Jahr vor der Einführung die Glasstöpsel herum. "Inzwischen fragen viele Kunden bereits, ob sie gebrauchte Glasverschlüsse mitnehmen können, zum Wiederverschließen von Flaschen."

Gerd Rindchen: ein überzeugter Korkgegner

Der Weinhändler Gerd Rindchen macht aus seiner Meinung kein Hehl. Er ist strikt gegen Naturkork.

Flagstone - ein ganz normaler Schraubverschluss

In den letzten Monaten gab es Diskussionen über die Art des Schraubverschlusses, die vom Weingut Flagstone verwendet wird. William Coetzee vom südafrikanischen Erzeuger schrieb jetzt folgende Stellungnahme:

"The screw cap we use is made with an aluminium alloy with a liner of expanded polyethylene wadding. The polyethylene liner is covered with a tin foil layer that acts as a barrier to gas exchange and is overlain by a layer of Saran that provides an inert surface and will be in contact with the wine."

Der Text bschreibt den normalen Aufbau eines Schraubverschlusses; keine Rede ist von einem inliegenden "Minikorken", wie ihn Beobachter beschreiben. Ganz offenbar ist letztere Variante nur in Südafrika erhältlich und wird nicht in Deutschland vertrieben.

Weingut Wirsching: Proben ausverkauft

Das fränkische Weingut Wirschung bot ein Probepaket an, das aus Weinen mit unterschiedlichen Verschlüssen bestand.

 

Hans Wirsching: "Unser Probepaket Verschlusssache ist auf Grund der grossen Nachfrage unserer Kunden restlos ausverkauft. Unsere Kunden haben grosses Interesse an alternativen Verschlüssen gezeigt.

 

Bei "Gutsweinen" in Bordeauxflaschen fand der Schraubverschluss guten Anklang, wohingegen bei hochwertigen Weinen keine einheitliche Tendenz festzustellen ist. Teilweise wird der Korkverschluss bevorzugt. Stellt man aber die Frage nach Schraub- oder Glasverschluss, wird dem Glasverschluss der Vortritt gewährt."

Michel Laroche - eine wahrhaftige Revolution

Als eine der ersten französischen Winzer verwendet Chablis-Erzeuger Michel Laroche auch für seine Spitzenweine den Schraubverschluss. Dies geschah nach Laroches Angaben nach umfangreichen Studien zum Thema Weinverschlüsse. Bereits 2003 organisierte Michel Laroche während der Weinmesse Vinexpo eine Vergleichsverkostung von Weinen mit Schraubverschluss und Naturkork - mit einem für den Winzer eindeutigen Ergebnis.

"Ich bin überzeugt, dass wir nur ganz kurz vor einer wahrhaftigen Revolution stehen", sagt Laroche. Gute Weine mit Schraubverschluss gab es in Frankreich schon vor einigen Jahren, doch Laroche ist heute einer der wenigen Winzer, die ganz bewusst auch ihre Topweine mit Schraubverschluss anbieten. Die Importeure können frei wählen, ob sie den Wein komplett mit Schrauber abnehmen oder nur mit einem kleinen Teil den Markt testen wollen.

Seit August 2004 sind zudem sämtliche Weine, die für PR-Zwecke genutzt werden, mit Schraubverschluss ausgestattet. Auch das Drei-Sterne-Restaurant "La Côte Saint-Jacques" hat Laroche-Weine mit Schraubverschluss gelistet.

Weingut Kerpen: gute Erfahrungen mit Glas

Martin Kerpen, Weingut Kerpen (Mosel): Seit dem Jahrgang 2004 benutze ich teilweise Glasverschluß. Nach einjähriger, zu 100% positiver Testphase mit einer leeren Flasche in der Probierstube, bei der ich jedem Kunden diese Flasche in die Hand gedrückt habe, haben wir 2005 10% unseres Jahrgangs mit Vinolok verschlossen. Die positive Erfahrungen haben sich auch in der Praxis fortgesetzt, so dass wir 2006 etwas mehr als 15% des Jahrgangs 2005 mit Glasverschluß abgefüllt haben.
Mittlerweile verkaufen wir die Weine auch im Ausland und erhalten von dort auch nur erfreuliche Nachrichten. Wenn die Akzeptanz und auch die positive  Entwicklung der Weine in der Flasche so weiter anhält, dann werden wir im nächsten Jahr unseren Prozentsatz erhöhen, vorausgesetzt, die Qualität ist so gut, um den teuren Glasverschluss einzusetzen.

Kork auch in Zukunft


Nik Weis, Weingut St. Urbanshof

Wir verwenden im Weingut St.Urbans-Hof derzeit ausschließlich Naturkoken
als Verschluss für unsere Weinflaschen: Korken von 25 Cent bis 50 Cent. Reklamationen gab, es Gott sei Dank, sehr wenige. Wir sind bisher sehr gut damit gefahren. Wir beziehen unsere Korken von zwei Firmen und füllen in der Regel einen Wein mit zwei Chargen, jeweils mit einem anderen Kork. So kann man im Ernstfall auf die nicht betroffene Charge zurückgreifen, beziehungsweise diese als Beweismittel heranführen, daß der Fehler am Korken und nicht am Wein liegt.

Selbstverständlich haben wir bereits über die Einführung eines
alternativen Flaschenverschlusses nachgedacht. Dieser würde allerdings
nur bei unserem Gutsriesling verwendung finden. Ich bin der Meinung, daß
der Schraubverschluss, beispielsweise der Stelvin, eine sehr attraktive
Lösung darstellt. Der Grund, weswegen wir bisher noch nicht auf den Schraubverschluss umgestellt haben, liegt ganz einfach darin, daß unsere antikgrüne Schlegelflasche mit 350 mm Höhe sehr teuer ausfällt wenn man sie als verschraubare Flasche bezieht.

Für die Weine mit Alterungspotential - und das sind bei uns die Prädikatsweine - möchte ich auf jeden Fall beim Naturkork bleiben. Das
hat zum einen mit der Ästhetik, zum anderen mit meinem "Bauchgefühl" zu
tun. Ein hochwertiges Naturprodukt ist der Logik nach auch am besten mit
einem natürlichen Verschluss zu versehen. Was die Ästhetik angeht: In die Oper geht man auch nicht im Jogging-Outfit, sondern in festlicher Kleidung.

WG Zell-Weierbach wartet bei Rotwein noch ab

Die Winzergenossenschaft Zell-Weierbach hat sich für das Long Cap, den
modernen Schraubverschluss entschieden. Im Weißweinbereich werden hier
künftig im Qualitätsweinbereich Flaschen so verschlossen. Die erste Füllung
mit 10.000 Flaschen des Grauburgunder Qualitätswein 2005 sind seit 14 Tagen am Markt.

Die Resonanz aus der Kundschaft ist durchweg positiv, bestätigt
Geschäftsführer Jochen Basler. Dennoch wird die Winzergenossenschaft
Zell-Weierbach im Rotweinbereich am klassischen Korken festhalten. „In
Neuseeland gibt es Rotweine im 100-Dollar-Bereich, die mit Drehverschlüssen
versehen sind,“ weiß Basler.

Um die Long Caps auf die Flaschen zu setzen, bedarf es einer speziellen
Maschine. Diese hat man sich in diesem Jahr noch ausgeliehen. Sollte das
Sortiment mit Long Cap größer werden, wird sich die WG eine eigene
Verschließmaschine zulegen. „Es gibt Länder, da ist schon über die Hälfte
der Weine in Flaschen mit Long Cap gefüllt,“ berichtet Basler. „Im Grundsatz
hat es sich durchgesetzt.“

Der Weinhof bleibt beim Kronkorken


Claudia und Manfred Loch

Im vergangenen Jahr stellten Claudia und Manfred Loch vom Saar-Weingut Herrenberg von Naturkorken auf den Stainless Cap um, der Jahrgang 2004 wurde komplett verkapselt. Für ein ökologisch arbeitendes Weingut immer noch eine außergewöhnliche Entscheidung. Trotz einer Preiserhöhung haben die Lochs auch 2005 ihre Weine erneut mit dem Kronkorken verschlossen:

Manfred Loch: "Gute Naturkorken weisen heute eine Quote von 10-15% an Problemkorken auf, oder es kommen Korkpartien vor, die grundsätzlich einen bitteren Beigeschmack an den Wein abgeben. Die Ursache hierfür sind Polyphenole, die durch den Kork an den Wein abgegeben werden. Da ist der klassische TCA noch am harmlosesten, weil der Verbraucher ihn als Fehler erkennt. Viel problematischer sind die Schleicher, die Mufftöne: Diese Geschmacksbeeinträchtigung erkennt der Weintrinker oft nicht als eine solche durch den Korken, sondern er stellt fest, dass er schon einmal einen besseren Wein des Weingutes getrunken hat - eine unerträgliche Situation.


Wir haben uns daher Gedanken über einen optimalen Weinverschluss gemacht: Kunststoffkorken sind zwar geschmacksneutral, gewährleisten aber keine 100% Gasdruckdichtigkeit. (Ein Naturkork von guter Qualität verschließt eine Flasche 100% gasdruckdicht!) Der Reifeprozess des Weines in der Flasche ist ein physikalischer Vorgang und benötigt keine Diffusion durch den Korken. Daraus folgt, dass ein optimaler Weinverschluss hermetisch dicht und geschmacksneutral ist. Diesen optimalen Weinverschluss stellt ein Schraub- Kronen- und offensichtlich (habe noch vor ca. 3 Wochen mit den Geisenheimern darüber gesprochen) auch der Glasverschluss dar.

Château d'Agassac - wahlweise mit Kork oder Schrauber


Agassac ist überzeugt vom Schraubverschluss

Das Bordelaiser Château d'Agassac hat seinen Kunden den Jahrgang 2004 mit Schraubverschluss angeboten. Man sei überzeugt davon, dass diese Form des Verschlusses ihre Wirksamkeit ausreichend bewiesen habe, hieß es. Weitere Betriebe hätten angekündigt, ebenfalls Weine mit Schrauber zu verkaufen oder haben dies bereits in die Tat umgesetzt: PlumpJack (Kalifornien), Felton Road (Neuseeland), The Black Chook (Australien) und die Domaine JC Boisset (Burgund).

Verzicht auf den Ritus

Die Domaine Baumard (Loire) füllte 2006 erstmals zwei ihrer Top-Weißweine mit Schraubverschluss ab, einen trockenen Chenin blanc (Savennières) sowie einen süßen (Quarts de Chaume). "In Frankreich ist es fast ein Ritus, Weine mit Kork zu versehen", so Florent Baumard. "Doch der Korken verändert den Wein, denaturiert ihn - was ich nicht mehr akzeptiere. Sauerstoffzufuhr ist nicht notwendig, was schon 1976 von Dr. Pascal Ribereau-Gayon bestätigt wurde. Und beim Schraubverschluss ist die Qualität von Flasche zu Flasche gleichmäßig".

Peter Jakob Kühn: doppelter Wechsel


Angela Kühn zum Wechsel von stainless cap zu Schraubverschluss:

"Um eines gleich vorweg zu sagen: der Wechsel vom stainless cap zum stelvin cap wurde nicht durch eine Unzufriedenheit mit dem Produkt an sich begründet! Stainless cap ist unserer Meinung nach ein sehr guter Verschluss der alle positiven Eigenschaften hat, auf die wir hinsichtlich der Qualitätssicherung und Lagerfähigkeit Wert gelegt haben.

Der Wechsel hat viel "profanere" Gründe, die man vielleicht mit Marktstrategie oder Marktzentralisierung von Seiten der prodzierenden Industrie und der Logistikunternehmen benennen könnte.

Es scheint, als ob der stainless cap auf längere Sicht nicht aus seinem "Nischen Bereich" herausfinden wird und der produzierende Markt aus logistischen und finanziellen Gründen das eher ungeliebte Produkt verdrängen will/wird. Für diese Befürchtung spricht auch, dass der vorher existente link zur homepage von www.stainlesscap.com (auf der Details über das verwendete Material, Form und Erfahrungen zu lesen waren) nicht mehr funktioniert. Abgeschaltet!

Wir haben zu stelvin cap gewechselt, da uns dieses System ebenfalls geeignet erscheint, unserer Vorstellung von Qualität zu entsprechen. Langfristig wird der stelvin cap wohl die Marktführerschaft der Sparte "Alternative Verschlüsse" antreten, da er schon heute in vielen Teilen der Weinwelt verwendet wird und eine hohe Akzeptanz genießt."

Markus Berres - auch TBA mit Schrauber


Markus Berres vom Weingut C.H. Berres an der Mosel: "Den Mut zur Umstellung habe ich durch einen halbjährigen Aufenthalt in Neuseeland erhalten. Die Gründe zur Umstellung liegen auf der Hand:

  • keine Qualitätsschwankungen der Verschlüsse mehr
  • keine Beeinflussung des Produktes
  • weniger Ausläufer
  • weniger Ausschuss
  • Flaschen sind sauber und wieder verschließbar
  • praktisch für Gastronomie
  • Kunde braucht kein Korkenzieher suchen
  • verstärkte Nachfrage von Alternativverschlüssen durch Export

Die Erfahrungen im Jahr 2004 waren derart positiv, dass wir uns
entschlossen haben unserer Philosophie treu zu bleiben und sogar unsere
2005er Auslese Goldkapsel, Beerenauslese und Trockenbeerenauslese mit Stelvin+ abzufüllen.

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