Kork im Restaurant - oder beim Händler
Kann eigentlich auch Schaumwein korkig schmecken? Champagner, Sekt oder Spumante?
Selbstverständlich. Praktisch alle hochwertigen Schaumweine sind noch mit Naturkorken versehen, beim Champagner ist dies - mit Ausnahme der 0,2-Liter-Miniflaschen - sogar vorgeschrieben. Die Wahrscheinlichkeit, einen Korkschmecker beim Schaumwein zu erwischen, ist sogar vergleichsweise hoch, denn Schaumweinkorken werden aus verschiedenen Schichten zusammengeleimt. Bei einem Teil handelt es sich um Presskork, der aus den Resten der Korkherstellung zusammengestellt wird. Es befinden sich also kleinste Teile zahlreicher Korkrindenpartien in einem einizigen Korken - falls also TCA auch nur in Platte vorhanden war, ist die gesamte Charge verseucht. Da hilft dann oft auch nicht das Naturkorkplättchen, dass auf den Presskorken geklebt wird und direkt mit dem Schaumwein in Verbindung kommt. Eine Kontamination kann schon auch über den Flaschenhals beim Einschenken stattfinden.
Ist dieses Problem allen Winzern und Sommeliers bewusst?
Wohl nicht. Tatsächlich werden korkige Schaumweine eher selten reklamiert. Viele Verbraucher, aber auch Erzeuger halten eine leichten TCA-Verseuchung für Teil des nussig-hefigen Aromaspektrums eines Schaumweines.
Gibt es Erzeuger, die Schaumwein mit Alternativverschlüssen abfüllen?
Bislang verwenden selbst Weingüter, die bei ihren Stillweinen komplett auf Alternativen umgestellt haben, den Naturkorken beim Sekt. Probeabfüllungen mit Stainless Cap (Kronkorken) hat beispielsweise das Sektgut Stephan Fischer in Zell-Merl gestartet. Am ehesten allerdings trifft man auf Kronkorken beim Perlwein, der in Deutschland oft als Secco bezeichnet wird.
Kann ich den Wein zurückgeben, wenn er korkt?
Im Restaurant natürlich ja. Sie sollten nach dem Verkosten den Wein reklamieren und um Umtausch bitten. Ein guter Sommelier diskutiert nicht mit Ihnen, sondern ersetzt die Flasche anstandslos. In sehr guten Restaurants trägt der Weinkellner Sorge, dass die korkige Flasche gar nicht an Ihren Tisch gelangt - der Wein wird vorprobiert.
Beim Händler oder Erzeuger haben Sie eine gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren (Deutschland). Bis dahin haben Sie einen Anspruch auf Ersatz von fehlerhaften Weinen. Ein Aussschluss der gesetzlichen Gewährleistung gegenüber Privatkunden ist nicht möglich, egal, ob per Hinweis im Katalog, Allgemeine Geschäftsbedingung oder Passus auf dem Kaufvertrag. Derartige Regeln sind ungültig. Problematisch wird die Lage indes, wenn seit dem Kauf mehr als zwei Jahre vergangen sind. Sie könnten sich auf einen verborgenen Mangel berufen und argumentieren, dass die Frist erst mit dem Entdecken desselben beginnt - doch begeben Sie sich damit auf juristisch dünnes Eis. Viel versprechender ist der Versuch, um eine Kulanzregelung zu bitten: Viele Händler bekommen ihrerseits vom Winzer Korkflaschen erstattet.
Hinweis: Dies ist keine Rechtsberatung und natürlich ohne Gewähr.
Sollte ich lieber einen Wein mit Kork oder mit Alternativverschlüssen kaufen?
Einfache Frage, schwierige Antwort. Das hängt natürlich von Ihnen selbst ab. Eine Garantie für jahrzehntelange Lagerung bekommen Sie weder bei dem einen noch bei dem anderen Produkt. Korken können nach 20 bis 40 Jahren Elastizität verlieren oder gar undicht werden, von Glasverschlüssen hat man so lange Erfahrung noch nicht, bei Schraubverschlüssen schon - sie halten nach dem bisherigen Stand der Dinge dicht. Allerdings ist es denkbar, dass das Metall in feuchter Umgebung von aussen angegriffen wird. Zumindest optisch ein Manko.
Sollte der Sommelier mir den Schraubverschluss oder Kunststoffkorken auf einem Tellerchen überreichen, wie er es auch beim Korken tut?
Nein, um Gottes Willen! Diese Sitte ist auch beim Kork längst aus der Mode gekommen - zumindest in den meisten Restaurants. Es ist nicht die Aufgabe des Sommeliers oder eines anderen Kellners, Sie die Beschaffenheit des Weines, der Flasche oder des Korkens überprüfen zu lassen. Das soll gefälligst er tun. Korken und andere Verschlüsse gehören allerdings aufbewahrt, bis die Flasche leer ist und abgeräumt wird - am besten auf dem Beistelltisch.
Mein Erzeuger/Händler beruhigt mich und teilt mit, dass er nur hochwertige Naturkorken verwendet
Hochwertige Naturkorken können das Problem reduzieren, nie aber lösen. Selbst die teuersten Korken, die mehr als einen Euro pro Stück kosten, sind von Fehlern betroffen.
Muss Wein zur Lagerung atmen?
Nein! Früher wurden hochwertige Weine, z.B. Bordeaux oder Portwein, traditionell mit Siegellack oder einem Wachsüberzug verschlossen. Eine Sauerstoffaufnahme durch den Korken wurde allein dadurch fast ausgeschlossen, dennoch (oder gerade deshalb) konnten diese Weine perfekt altern. Ein anderes Beispiel sind alte Flaschen, die auf dem Meerboden gefunden wurden. Diese sind, obwohl hier wohl ein ziemlich perfekter Luftabschluss stattfand, perfekt gereift.
Man kann eine Parallele ziehen zur Entwicklung von Wein im Glas. Viele Weine profitieren erst einmal von der Luftzufuhr, mit wachsender Kontaktdauer fangen die Weine an zu oxidieren und sich nachteilig zu entwickeln. Ähnliches geschieht auch in der Flasche. Es mag sein, dass Verschlüsse mit einer gewissen Luftdurchlässigkeit - der Kork lässt im Durchschnitt mehr Gase eintreten als etwas Schrauber oder Kronkorken - den Wein erst schneller reifen lassen und ihn dadurch angenehmer erscheinen lassen. Doch erstens ist dieser Einfluss sehr unregelmäßig - die Sauerstoffdurchlässigkeit beim Kork schwankt extrem -, und je älter der Korken wird, desto spröder wird er auch und desto mehr Luft kann eindringen und den Wein oxidieren.
Ich habe noch nie oder nur selten einen Korkschmecker gehabt. Wird das Problem nicht übertrieben?
Zuerst einmal Glückwunsch. Sie müssen weitaus weniger Weine wegschütten, als andere Zeitgenossen. Das liegt aber wohl nicht daran, dass Sie tatsächlich weniger korkkranke Flaschen getrunken haben, sondern einfach daran, dass Sie weniger empfindlich auf Kork reagieren. Die Warnehmungsschwelle schwankt sehr stark. Sie ist in Rotweinen höher als in Weissweinen. Aber auch die individuelle Wahrnehmungsschwelle schwankt zwischen 2 ppm bis hin zu über 100 ppm.
Allerdings freuen Sie sich nicht zu früh: Ganz sicher haben Sie schon viele Weine getrunken, die Ihnen nicht geschmeckt haben. Oft haben Sie dann wirklich minderwertigen Wein getrunken. Oft haben Sie aber auch einen korkigen Wein getrunken ohne es bemerkt zu haben. Blöd für den Erzeuger oder Händler dieses Weines. Diesen Wein werden Sie wohl nie wieder kaufen, obwohl er eigentlich gar nicht so schlecht war.
Korkfehler bei Schnaps & Mineralwasser
Können eigentlich auch Spirituosen einen fehlerhaften Kork aufweisen?
Selbstverständlich - und es kommt vermutlich öfter vor als man glaubt. Allerdings gehen die TCA-Moleküle und andere unangenehm riechende und schmeckende Verbindungen im kompexen Aromenspektrum fassgelagerter Brände oft unter und sind nur im Vergleich mit dem Inhalt anderer, gesunder Flaschen zu erkennen. Bei klaren Bränden, vor allem zart-aromatischen Obstbränden, ist ein Korkschmecker schon sehr viel deutlicher wahrnehmbar. Da allerdings kaum jemand eine ganze Flasche Cognac oder Kirschwasser bestellt, sollte die Reklamation im Restaurant oder in der Bar eher problemlos ablaufen.
Und bei Bier & Wasser?
Bier mit Korkverschluss ist eher selten, ber bei hochwertigen Erzeugnissen aus Belgien oder anderen Ländern möglich. Vermutlich sind Reklamationen noch seltener, denn die Aromen des Gerstensafts überdecken die TCA-Aromen oft deutlich. Anders ist das bei den wenigen, aber durchaus existierenden Mineralwässern mit Korkverschluss. Hier sind auch kleinste aromatische Beeinträchtigungen, die bei Kork naturgegeben anfallen, sofort zu riechen und zu schmecken. Verkorkte Wässer sind aus diesem Grunde generell kaum zu empfehlen.
