Naturkork - Flaschenverschluss mit Problemen

- Korken kamen seit dem 17. Jahrhundert in Mode
Eine Rinde macht Geschichte

- Naturkorken verändern sich im Laufe der Jahre, trocknen aus und schrumpeln zusammen. Ein Neuverkorken ist nach 20-50 Jahren oft unumgänglich.
Als der berühmte Mönch Dom Pérignon im 17. Jahrhundert mit dem heute Champagner genannten Wein experimentierte, da verwendete er auch Korken. Den Druck der Kohlensäure, die während der zweiten Gärung in der Flasche entsteht, wollte er nicht entweichen lassen. Jene festen, aber gleichzeitig flexiblen, in zylindische oder (damals noch) konische Form gestanzten Stücke der Korkrinde kamen ihm da gerade zupass.
Kork: von der Antike zur Neuzeit
Auch wenn der Wegbereiter der Schaumweinherstellung den Naturkork propagierte: Korken waren hin und wieder bereits lange zuvor als Flaschenverschluss verwendet worden - und auch nach Dom Pérignon setzten sie sich noch lange nicht sofort und überall durch. Bereits die Autoren des Altertums erwähnten die Möglichkeit, Gefäße mit Kork zu verschließen. Doch diese Variante der Abdichtung blieb lange Zeit die Ausnahme. Für Amphoren wurden sehr viel öfter hölzerne Verschlüsse gefertigt, die mit Harz oder Pech abgedichtet wurden. Kork war eine Ausnahme und blieb es bis weit in die Neuzeit hinein.
Die Flaschenfüllung setzt sich durch
In der Geschichte des Weines wurden die Amphoren von den Fässern abgelöst. Noch zu Goethes Zeiten, im späten 18. Jahrhundert, war es in Schlössern, bei Gastronomen und in vermögenden Privathaushalten üblich, den Wein im Fass zu lagern. Abgefüllt wurde nach Bedarf in Flaschen oder Karaffen, als Verschluss dienten oft geschliffene Glasstöpsel. Berühmte Weine wie die namhaftesten Bordeaux, Portwein, Constantia und Commandaria waren im späten 17. Jahrhundert die ersten, die in Flaschen verkauft und durchgängig verkorkt wurden. Über diese Spezialitäten hinaus sollte sich diese Variante des Weinverkaufs und -verschlusses aber erst im 19. Jahrhundert durchsetzen. Es war schließlich die Industrialisierung in den 1880er und 1890er Jahren, welche die Herstellung von Flaschen verbilligte und den Bedarf an Kork in die Höhe schnellen ließ.
Infos zu Korken im Glossar von Wein-Plus: http://www.wein-plus.de/glossar/Korken.htm
Die Korkeiche oder das Problem der Gemächlichkeit

- Korkrinde nach dem Ausstanzen der Korken
Quercus suber L., die Korkeiche, ist eng mit den bei uns wachsenden Eichen verwandt: Beide gehören zur Familie der Buchengewächse. Der deutlicheste Unterschied allerdings besteht in der Rinde. Nach etwa 20 bis 25 Jahren ist die Korkeiche - die vor allem in Portugal und Südspanien, aber auch in Italien und Nordafrika wächst - reif zur ersten Ernte. Die Rinde wird sorgfältig geschält, langsam getrocknet und anschließend weiter verarbeitet.
Höchste Qualität erst nach 45 Jahren
Zur Herstellung erstklassiger Flaschenkorken allerdings ist die Korkeiche selbst dann noch lange nicht zu gebrauchen. Erst nach 40 oder gar 45 Jahren sind die abgeschälten Rindenstücke dick und fein genug, um aus ihnen die Verschlüsse für Riesling, Bordeaux, Burgunder und all die anderen Weine der Welt zu stanzen. Etwa alle neun bis zwölf Jahre werden die Eichen nun geschält, was bei einem maximalen Korkeichenalter von 150 bis 200 Jahren etwa 12 bis 16 Ernten ergibt. Eine kurzfristige Ausweitung der Produktion ist also ein Ding der Unmöglichkeit. Genau dies macht das Geschäft mit hochwertigen Korken zu einem schwierigen. Vor allem im Alentejo, Portugals Hauptanbaugebiet für Korkeichen, leben Zehntausende von Menschen direkt und indirekt vom Kork: In ganz Portugal, das etwas mehr als die Hälfte der jährlichen Weltkorkerzeugung liefert, werden Jahr um Jahr 170.000 Tonnen Korkprodukte erzeugt. Nur ein kleiner Teil dieser Menge ist allerdings dazu geeignet, Weinflaschen zu verschließen.
Nur das Beste für den Korken?
Nur die hochwertigsten Korkrinden kommen als Flaschenkorken infrage. Doch genau hier liegt auch, nach Einschätzung der meisten Experten, eines der Probleme des Korkens. Denn auf die steigende Nachfrage nach Kork in den letzten Jahrzehnten haben manche Produzenten auf die falsche Weise reagiert. Die Eichen wurden manchmal rascher geschält, als ihnen gut tat, der Ernterhythmus wurde verkürzt, die Selektion nicht mehr so akribisch durchgeführt wie in den Jahrzehnten zuvor. Schließlich sind die Gewinnspannen beim Naturkork hoch - für hochwertige Korken werden nicht selten 50 Cent und manchmal, für besonders lange und feinporige Sorten, sogar 1 Euro und mehr bezahlt. Die in den letzten Jahren besonders deutlich zu Tage getretenen klimatischen Probleme des Alentejo verschärfen die Situation noch. Wassermangel und verheerende Waldbrände haben die Anbausituation verkompliziert und die Nachfrage nach hochwertigen Korken weiter angeheizt.
Die Korkeiche
| UNTERKLASSE | ORDNUNG | FAMILIE | GATTUNG | ART |
| Rosidae (Rosenähnliche) | Fagales (Buchenartige) | Fagaceae (Buchengewächse) | Eiche (Quercus) | Korkeiche (Quercus suber) |

- Korkeiche im portugiesischen Alentejo (Foto: Wolfgang Faßbender)
Gepresst und geklebt - die billige Lösung
Weil Naturkork teuer ist, werden auch Reste der Produktion verwertet. Presskorken bestehen aus billigen Korkbröseln oder Korkmehl, also Abfallprodukten aus der Naturkorkherstellung. Mehl oder Krümel werden mit Bindematerial zusammengefügt werden sind zu sehr niedrigen Preise zu haben. Außer für Weine in Literflaschen und andere Sorten unterhalb von fünf Euro Flaschenpreis werden Presskorken allerdings kaum verwendet. Nicht nur die Gefahr des Korkgeschmacks ist nach Meinung von Erzeugern und Wissenschaftlern höher als bei Naturkorken am Stück, auch ein Leimgeschmack kann bei den so genannten Komposit- oder Verbundkorken auftreten.
Für die so genannten Zwei-Scheiben-Korken, die aus einem Mittelstück aus Presskork und einem unteren und oberen Teil aus "echtem" Kork besteht, gilt dies allerdings auch. Die untere Korkschicht dichtet nicht zuverlässig gegen den Wein hin ab, Leim kann sich aus dem Verbundmaterial herauslösen.
Kork und Umweltschutz - der WWF warnt
Der World Wide Fund for Nature (WWF) und andere Umweltschutzorganisationen warnen häufig vor einem Kollaps des Ökosystems Korkeichenwald. Vor allem weite Regionen Portugals seien im höchsten Maße gefährdet, wenn die Verbraucher verstärkt auf Alternativen zum Kork setzen würden.
Kritiker allerdings werfen dem WWF vor, nicht nur die Problematik der fehlerhaften Korken, sondern auch die Tatsache der Überproduktion auszublenden. Tatsächlich führen Experten die Zunahme an Trichloranisaol-Fehlern und anderen Mufftönen bei Flaschenkorken auch auf das häufigere Schälen der Eichen zurück. Eine extensivere Bewirtschaftung der Korkeichenwälder könnte die Lage zumindest entspannen. Auch ist die Korkproduktion keineswegs so umweltfreundlich wie angenommen: Zum Reinigen der Korkplatten müssen große Mengen an Wasser, das in weiten Teilen Portugals immer knapper wird, verwendet werden - auch Chemikalien spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das Umweltbewusstsein bei vielen Korkherstellern ist zudem nicht allzu ausgeprägt, nur wenige große Hersteller setzen sich mit den Problemen wirklich auseinander.
Ein vollständiges Verschwinden der Korknachfrage und somit der Eichenwälder ist außerdem nicht zu befürchten - zumal es für Kork (etwa als Wand- oder Fußbodenmaterial) noch andere Verwendungen gibt.
Kampf gegen TCA
Gegen den Hauptverursacher des Korkgeschmacks, die Substanz Trichloranisol, kämpfen nicht nur die Korkfirmen, sondern auch wissenschaftliche Instutute wie das portugiesische CTCOR in der Nähe von Porto. Nach eigenen Angaben hat man aber noch nicht den Stein der Weisen gefunden, hat noch kein Patentrezept entdeckt, um garantiert TCA-freien Naturkork produzieren zu können.