Screwcap auf dem Vormarsch

Screwcaps machen inzwischen geschätzte 15 Prozent aller weltweit genutzten Weinverschlüsse aus - schreibt der Decanter.

 

Nach einer Schätzung des italienischen Schraubverschluss-Herstellers Guala hat diese Variante des Weinverschlusses einen Anteil von 15 Prozent erreicht - und das weltweit gerechnet. 2008 seien die weltweiten Schrauber-Verkäufe im Weinbereich um ein Viertel gestiegen - auf etwa 2,5 Milliarden Stück. Während Australien und Neuseeland bereits fest in der Hand der Screwcap-Produzenten zu sein scheinen, gab es im vergangenen Jahr deutliche Zuwächse in Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien und Spanien. Ein "fantastisches" Wachstum habe es zudem in Argentinien und Chile gegeben.

 

Ein Sprecher des führenden Naturkork-Unternehmens Amorim beurteilte die Schätzungen als zu hoch. (WF)

Staatsweingüter wollen keinen Kork mehr

Die Hessischen Staatsweingüter haben angekündigt, praktisch komplett auf den Kork als Flaschenverschluss zu verzichten.

Wie der Geschäftsführer der Hessischen Staatsweingüter, Dieter Greiner, mitteilte, stellt der Rheingauer Betrieb zu beinah 100 Prozent auf Schraubverschluss um. Der "Wiesbadener Kurier" berichtet, dass es lediglich für den Schaumwein zukünftig noch Naturkork geben werde, der Rest des Programms werde ohne Baumrinde auf den Markt kommen. Sogar die Rotweine müssen zukünftig auf den klassischen Verschluss verzichten. Mit dieser Maßnahme wolle man nicht nur die drastischen "Korkschmecker", sondern auch vielfältige Mufftöne bekämpfen.

Die Hessischen Staatsweingüter füllen pro Jahr rund 1,4 Millionen Flaschen Wein ab. (WF)

Albert Kallfelz - Sieg gegen die Korkindustrie


Albert Kallfelz

Wolfgang Faßbender (Verschlussache Wein) sprach mit Albert Kallfelz, Winzer in Zell an der Mosel. Das Weingut Kallfelz, einer der größten Winzerbetriebe an der Mosel, bekam abschließend Recht mit seiner Klage gegen einen Lieferanten von Naturkorken. Dem Weingut wurde Schadensersatz in erheblicher Höhe zugesprochen – allerdings erst nach einem neun Jahre dauernden Rechtsstreit, der bis zum Bundesgerichtshof ging und letztlich vom Oberlandesgericht Koblenz entschieden wurde.

 

Wolfgang Faßbender: "Herr Kallfelz, wie lange haben Sie eigentlich gestritten, um Recht zu bekommen?"

 

Albert Kallfelz: “Es war ein langer Weg. Der ganze Prozess hat neun Jahre gedauert. Und wenn man zwischendurch ein Gutachten bekommt, dass da eigentlich gar nichts wäre, dann fühlt man sich schon unter Druck gesetzt.”

 

W.F.: "Was hat Sie eigentlich dazu bewogen, damals diesen Rechtsstreit zu beginnen? Waren es die klassischen, eindeutig riech- und schmeckbaren Korkfehler, die vom TCA herrührten?"

 

A.K.: “Nein. Es fiel mir erstmals 1997 auf. Ich habe da hochwertige Rieslinge von der Flasche probiert und dachte mir: gar nicht so schlecht, vielleicht mit leichtem Bitterton, mal mehr, mal weniger. Und dann hab ich den gleichen Wein aus dem Edelstahl probiert – und das war ein ganz anderer Wein, viel klarer und fruchtiger. Da ist mir klar geworden, dass es nicht am Wein liegen kann, sondern am Korken.”

 

W.F.: "Es ging also nie um klassischen Korkfehler, die von jedem bemerkt werden, sondern um die berüchtigten Flaschenvarianzen?"

 

A.K.: “Ja, aber genau die sind ja das Problem. Wenn der Kunde einen Wein probiert, und der schmeckt nicht so richtig gut und anders, als vom Fass oder vom Edelstahl im Weingut. Aber damals wollte da fast niemand was von wissen. Ich habe den Prozess am Schluss ja nur deshalb gewonnen, weil ich so viele Flaschen noch im Keller hatte, als Beweismaterial. Am Schluss noch 28.000 Flaschen - das waren 80 Prozent der Abfüllung. Von diesen Stößen wurden dann Proben gezogen, und da wurde dann TCA nachgewiesen.”

 

W.F.: "Und zwischendurch dachten Sie schon mal ans Aufgeben?"

 

A.K.: “Ja – wenn Sie ein Gutachten aus Geisenheim bekommen und da guckt sich einer ein Loch mit der Lupe an, das sie mit bloßem Auge sehen und sagt Ihnen dann – da sei nichts, dann ist das schon merkwürdig. Aber ich wollte einfach auch die Branche wachrütteln.”

 

W.F.: "Inzwischen haben Sie das Geld bekommen, das Ihnen zugesprochen wurde?"

 

A.K.: “Ja, das haben wir bekommen. Nicht alles, was wir gefordert haben, aber alles zusammen 136.000 Euro.”

 

W.F.: "Denken Sie, dass jetzt viele andere Betriebe klagen werden?"

 

A.K.: “Das glaube ich nicht. Wie wollen die das denn beweisen? Wenn der Wein ausgeliefert ist, dann kann der zu 100 Prozent TCA haben, dann kriegen Sie keinen Beweis mehr hin. Bei uns war das nur möglich, weil wir einen Großteil der Abfüllung noch da hatten. Wenn das ausgeliefert gewesen wäre, hätte nur der Kunde klagen können."

 

W.F.: "Sie beziehen inzwischen ohnehin keine Korken mehr, nicht wahr?"

 

A.K.: “Nein, wir haben längst umgestellt auf den Stainless Cap und auf Kunststoffkorken. Und die Kunden sind zufrieden, wir haben keine Beschwerden. ”

Kork oder Drehverschluss

Wer am kommenden Dienstag zufällig in Zürich weilt, sollte sich um eine Karte für die Exklusiv-Veranstaltung Spitzenweine - Drehverschluss oder Kork oder…? bemühen.

 

Das Seminar wird von mit Justin Morley geleitet (Önologe von Rosemount Estate, Australien). Der Veranstalter, die Firma Zweifel Weine, spricht in ihrer Einladung von "zehn Prozent sofort eindeutig erkennbarer Fehler", die "längst keine Seltenheit" mehr seien. Im Seminar werden die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verschlussarten erläutert und "degustativ vorgeführt".

 

Termin: Dienstag, 4. November 2008, 15 – 17 Uhr im EXPOVINA-Weinforum. (Das EXPOVINA-Weinforum befindet sich auf der Bürkliplatzterrasse, links des Haupteingangs zur Ausstellung.) Anmeldung: info@zweifelweine.ch, Tel. 0041-44/344 22 11

Nomacorc forscht an der Rhône

Die Firma Nomacorc richtet im InterRhône-Institut ein neues "Center of Oxygen Management Research" ein. Die europäischen Mitglieder des Nomacorc Önologen-Teams werden ab Januar 2009 in dem neuen Sauerstoff-Management-Forschungszentrum tätig sein.

"Das InterRhône-Institut ist sich der Bedeutung der Sauerstoffentwicklung in Wein und ihres Einflusses auf die Weinqualität bewusst", sagte Christophe Riou, Technical Director bei InterRhône. "Das Verständnis, wie der Sauerstoff den Wein beeinflusst, ist für unsere Aufgabe, die Weinqualität im Rhônetal zu verbessern, von wesentlicher Bedeutung". 

 

Die Ansiedlung des Nomacorc Centers of Oxygen Management Research im InterRhône-Institut soll Nomacorc Zugang zu den Labors und Technologien des Instituts bieten und ermöglicht beiden Organisationen, die Vorteile der Synergien aus verschiedenen Forschungsinitiativen zu nutzen. Das Team verfügt über insgesamt sieben Mitarbeiter, welche die Weinerzeuger unterstützen und die unternehmenseigenen Forschungen zur so genannten "postbottling-chemistry "(Weinentwicklung nach der Abfüllung) koordinieren. Nomacorc ist nach eigener Aussage in der Verschlussindustrie führend im Bereich Önologie.

 

Nomacorc ist außerdem Gründungsmitglied von O2inWines, einem internationalen, nicht gewinnorientierten Verband von Unternehmen der Weinbranche, die sich für wissenschaftlich fundierte Lösungen für die Probleme des Sauerstoffmanagements in der Weinindustrie engagieren. Das InterRhône-Institut wird dem Verband O2inWines im November 2008 beitreten.

Nomacorc führt Classic+ ein

Die Firma Nomacorc führt den Classic+ auf dem europäischen Markt ein.  Wie der Marktführer für alternative Weinverschlüsse mitteilt, hat der Classic+ eine im Vergleich zum Classic um 25 Prozent geringere Sauerstofftransferrate, was auch zu einer besseren Lagerfähigkeit der abgefüllten Weine beitragen soll. Zudem erleichtern - so Nomacorc - die bei der Produktion eingesetzten neuen Materialien und Herstellungstechniken das Entkorken der Flasche, das Abdrehen des Verschlusses vom Korkenzieher sowie sein erneutes Einsetzen in die Flasche. "Nomacorc investiert weiterhin stark in Forschung und Entwicklung", erklärt Malcolm Thompson, Vizepräsident für Global Marketing und Innovation bei Nomacorc.

Nomacorc Classic+ ist in der gleichen Größen- und Farbauswahl erhältlich wie Nomacorc Classic und wird auf Wunsch gerändelt oder mit Kundenaufdruck versehen.

Dr. Gago und die Korkklinik


Alte Korken werden gegen neue ersetzt (Foto: Wolfgang Faßbender)

Zum ersten Mal hat die australische Kellerei Penfolds eine Korkklinik in Deutschland eröffnet - wenn auch nur für einen einzigen Tag. Am 10.10. begaben sich Peter Gago, Chief Winemaker bei Penfolds, und ein ganzes Team von Spezialisten, ins bayerische Frasdorf. Dort wurde eine Praxis weitergeführt, die bereits vor Jahren in Australien begonnen wurde und die auch schon in London und Zürich für Aufsehen sorgte. 95.000 Flaschen wurden im Lauf der Klinik-Geschichte bereits von ihrem alten Korken befreit und mit einem neuen versehen.

Penfolds ist das einzige Weingut auf der Welt, das diesen Service regelmäßig anbietet - und das auch noch kostenlos.Man darf so viele alte Flaschen mitbringen, wie man möchte, sofern diese über 15 Jahre alt sind. Und das nutzten einige Sammler weidlich aus. Einer hatte knapp 70 Flaschen angeschleppt,darunter allerlei Grange-Syrahs und BIN sowieso aus den 80ern, den 70ern und sogar den 60ern.

Die Sache funktioniert, wie sich Verschlusssache Wein überzeugen durfte, wie am Schnürchen. Die alten Flaschen werden geöffnet, verkostet und mit einem Wein gleicher Sorte - im Falle des Grange also mit Grange des neuesten Jahrgangs - aufgefüllt. Dies allerdings nur, wenn der Wein die Mühe lohnt, also noch frisch genug für weitere Lagerung ist. Zu alte Weine werden nicht aufgefüllt und sind zum baldigen Verbrauch vorgesehen.

Präsentationen für Sommeliers

Der Deutsche Kork-Verband und die Sommelier-Union wollen die Aufklärung fördern. Sie kooperieren bei Schulungsverkostungen, die im Oktober in mehreren Städten Deutschlands stattfinden.

Am 13.10. in Düsseldorf (Hotel InterContinental), am 20.10. in Stuttgart (Weinhandlung Nikolay & Schartner), am 10.11. in Hamburg (Mövenpick).

Nomacorc und Geisenheim forschen

Die Firma Nomacorc, Weltmarktführer für alternative Weinverschlüsse, hat bekannt gegeben, dass sie im Rahmen eines umfassenden Drei-Jahres-Projekts mit der Forschungsanstalt Geisenheim zusammenarbeiten wird. Hauptforschungsgegenstand ist die Entwicklung von Riesling bei unterschiedlicher Sauerstoffexposition. Ein zweiter Aspekt ist die Beurteilung des Einflusses verschiedener Abfüllbedingungen unter besonderer Berücksichtigung unterschiedlicher Füllhöhen. "Riesling wurde für diese Versuche ausgewählt, weil dies die meistproduzierte und renommierteste Traube in Deutschland ist, die auch international anerkannt und geschätzt wird”, erläutert Dr. Rainer Jung, stellvertretender Leiter für Önologie und Weintechnologie der Forschungsanstalt Geisenheim.

 

Jung wird das Forschungsteam Geisenheim leiten, das den Einfluss der unterschiedlichen Abfüllbedingungen auf die Weinentwicklung von Riesling anhand von sensorischen und chemischen Analysen untersuchen wird. Gegenstand der Forschungen werden zudem die unterschiedlichen Füllhöhen (die verschiedene Luftraumvolumen zur Folge haben), der Einsatz von inerten Gasen zur Spülung des Luftraums und die Abfüllung unter Vakuum im Vergleich zu den Bedingungen unter Umgebungsdruck sein. Im Einzelnen wird dabei u.a. die Behandlung des Weins vor der Abfüllung mittels Filtrations- und Pasteurisierungstechniken berücksichtigt. Es wird außerdem untersucht, wie der Kompressionsgrad der Verkorkungsmaschine und die entsprechende Verschlusseinführung die Abdichtungseigenschaften beeinflussen. Im Forschungsinteresse stehen zudem die Auswirkungen von Lagerbedingungen, insbesondere Temperaturschwankungen, nach der Abfüllung. Die Studie beginnt im Juli 2008 und wird Mitte 2011 abgeschlossen sein.

Eine Frage des Sauerstoffs - Interview mit Nomacorc-Forschungsleiter Dr. Olav Aagaard


Dr. Olav Aagaard, Director of Global Research bei Nomacorc

Dr. Olav Aagaard ist Forschungsleiter bei Nomacorc, dem weltweit führenden Unternehmen für die so genannten "Kunststoffkorken". Wolfgang Faßbender sprach mit ihm über die Investionen von Nomacorc und die Notwendigkeit, den Wein mit Sauerstoff zu versorgen.

 

Verschlusssache Wein: Seit wann denkt Nomacorc über Sauerstoffmanagement nach?

Olav Aagaard: Eine wichtige Differenz zu anderen Verschlussherstellern war immer die Technik der Co-Extrusion. Mit dieser Technik sind wir in der Lage, eine bestimmte Menge Sauerstoff in den Wein einzuleiten. Daher haben wir uns von jeher mit dem Thema befasst. Bis 2004 hatten wir nur ein einziges Produkt. Mit der Erweiterung der Produktlinie haben wir auch unsere Forschung zum Sauerstofftransfer nach der Abfüllung (post bottling chemistry) intensiviert. Ende 2005, Anfang 2006 fiel der Entschluss, Sauerstoffmanagement Grundlagenforschung zu betreiben und mit renommierten Instituten zu kooperieren.

Verschlusssache Wein: Wie viel Geld investieren Sie?

Olav Aagaard:  Für die Forschung in Zusammenarbeit mit den Forschungsinstituten sind über 3 Jahre mehrere Millionen US Dollar eingeplant.

Verschlusssache Wein: Mit wem arbeiten Sie zusammen?

Olav Aagaard:  Bisher mit drei Instituten: AWRI im australischen Adelaide, UC Davis in Kalifornien und INRA in Montpellier in Südfrankreich. Geisenheim kommt Ende des Monats dazu, und wir streben noch die Kooperation mit einem fünften Partner in Südamerika an. Jeder dieser Partner führt Versuche mit ein bis zwei Rebsorten durch und forscht in seinem Spezialgebiet, etwa mit Grenache und in Bezug auf Polyphenole in Montpellier.  Geisenheim ist spezialisiert auf Riesling, in Südamerika wird es Carmenère sein. Wir wollen ausdrücklich nicht selbst forschen, sondern die Institute die Forschungen machen lassen.

Verschlusssache Wein: Muss der Winzer künftig für jeden einzelnen Wein einen anderen Verschluss benutzen?

Olav Aagaard:  Das wäre vielleicht ideal, aber wird kaum praktikabel sein. Wahrscheinlicher wird sein, dass ein Weingut vier verschiedene Verschlüsse nutzt und diese über seine 20 Weine verteilt. Wir assistieren dabei den optimalen Sauerstofftransfer für die jeweilige Rebsorte, die Traubenqualität und das gewünschte Bouquet zu bestimmen.

Verschlusssache Wein: Benötigt Wein überhaupt Sauerstoff? Und Schraubverschluss?

Olav Aagaard:  Bei der letzten London Wine Fair gab es eine Diskussion, an der Hersteller der vier wichtigsten Verschlusssysteme teilnahmen, von Naturkork bis Schraubverschluss. Interessanterweise sagten alle, dass es wichtig sei, Sauerstoff durchzulassen. Die Schraubverschlusshersteller entwickeln zum Beispiel Membrane. Beim Naturkorken ist es allerdings so, , dass der Wert inkonsistent ist, da es sich um ein Naturprodukt handelt. Entweder kann zu viel Sauerstoff durchgehen oder zu wenig.

Verschlusssache Wein: Wie viele Jahre kann ein Wein maximal mit Kunststoffverschlüssen wie Nomacorc reifen?

Olav Aagaard:  Unsere Erfahrung beim Nomacorc Classic ist: drei Jahre beim Rotwein. Allerdings haben wir auch neue Verschlüsse entwickelt, die für bis zu sechs Jahre ausgelegt sind. Weine, die noch länger aufbewahrt werden sollen, stellen nur einen kleinen Anteil der Gesamtproduktion dar, vielleicht ein Prozent - aber auch daran arbeiten wir.

Verschlusssache Wein: Empfehlen Sie für jeden Wein einen Kunststoff-Korken?

Olav Aagaard:  Wichtig ist, dass der Winzer die Sauerstoffzufuhr managen kann. Wir müssen wissen, welche Moleküle wie mit Sauerstoff reagieren. Ein Beispiel: Ein Sauvignon blanc im Neuseeland-Stil duftet nach Maracuja, Grapefruit, vielleicht auch nach Katzenurin. Das sind alles Moleküle, die sehr sensibel auf Sauerstoff reagieren. Wenn man die bewahren will, muss man sie abschließen, und da kann der Schraubverschluss interessant sein. Anders bei Sauvignon blanc, die etwa aus Kalifornien stammen und bei dem Melonenaromen dominieren- da ist eine begrenzte, genau dosierte Zufuhr von Sauerstoff sinnvoll um das Aroma zu bewahren.
 
Verschlusssache Wein: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Thema der Zukunft? Oxygen Transfer Rate!

Wie sich bei der bereits angekündigten Closure Discussion auf der Londoner Wine Fair gezeigt hat, arbeiten Hersteller verschiedener Verschlusssysteme an der Verfeinerung des Sauerstoffaustausches. Genau das, was die Korkhersteller als (umstrittenen) Vorteil ihres Produktes darstellen - das langsame, aber unkontrollierte Eindringen von Sauerstoffmolekülen -, wollen nun offenbar auch die Hersteller von Kunststoff und Schrauber erreichen.

Viele Erzeuger arbeiten an der Pefektion von Oxygen Transfer Rates (OTR) und wollen damit offenbar passgenau Verschlüsse für Weine anbieten, die rasch getrunken werden sollen, die aber auch industriell erzeugt werden können und dennoch keine Reduktionsnoten entwickeln. Es ist unstrittig, dass sich Weine, die mit Schraubverschluss, Glas oder Stainless Cap abgefüllt werden, oft langsamer entwickeln als ihre mit Naturkork versiegelten Kollegen. Genau das aber kann unter Umständen für Weine, die rasch getrunken werden sollen, bei denen die Weinbereitung aber ohnehin reduktiv verläuft, ein Problem werden. An der Universität von Montpellier soll in Kürze ein Seminar zum Thema OTR stattfinden.


Kritiker bezweifeln indes, dass sich die OTR-Forschung lohnt und verweisen darauf, dass Reduktionsnoten ein eher kleines Problem sind, dass sich bei der Anpassung der Kellertechnik in den Griff bekommen lässt. (WF)

Auf der Wine Fair wird auch über Verschlüsse diskutiert

Am kommenden Dienstag, 20.5.2008, diskutiert man auf der Londoner Wine Fair über Korken und andere Flaschenverschlüsse - nicht zum ersten Mal. In diesem Jahr werden Produzenten aus verschiedenen Ländern über die unterschiedlichsten Aspekte der Verschlussproblematik referieren.

Nutzer von Schraubverschluss, Stainless Cap, Kunststoffstopfen und Glas werden über Oxidation, Reduktion, das so genannte "Fruit Scalping", Flaschenvarianzen und andere Aspekte sprechen. Mit von der Partie ist beispielsweise Patrick Johner vom Weingut Johner (Baden).

Amorim unterstütz Kork-Recycling

Der portugiesische Korkproduzent Amorim unterstützt ein Recyclingprogramm für Flaschenverschlüsse. Das Projekt startete jetzt in Oregon und Kalifornien.

Die Initiative ReCORK America wird vom portugiesichen Kork-Riesen Amorim gesponsort. Zunächst begann das Projekt in Orgeon, nun soll es sich in Kalifornien durchsetzen - anschließend ist möglicherweise eine Ausweitung auf die gesamten USA geplant.

Kork-Recycling ist bislang noch ein wenig beachtetes Thema, das auch die Kork-Hersteller bislang kaum interessierte. Mit der Initiative verspricht sich Amorim möglicherweise ein besseres, natürlicheres Image des Korkens. (WF)

Muss Wein doch atmen? Grundlagenforschung bei Nomacorc

Die Firm Nomacorc - Weltmarktführer im Bereich der so genannten Kunststoffkorken - führt gleich zwei Studien durch. In Zusammenarbeit mit der kalifornischen Universität Davis läuft seit September 2007 ein Forschungsprojekt zum Thema "Wie reift Wein mit Sauerstoff?", nun kam eine weitere Kooperation mit dem französischen Institut National de la Recherche Agronomique in Montpellier hinzu.

Laut Nomacorc ist "Sauerstoff-Management wichtig für die Weinbereitung".Wie genau jedoch und welche Verschlüsse sich dazu am besten eignen, soll erst bei Fertigstellung der Studie im August 2009 bekannt werden.

Erstaunlicherweise teilt Nomacorc in einer Pressemitteilung mit, dass es "eine Binsenwahrheit sei, dass Wein atmen" müsse. Die Firma will offenbar Verschlüsse entwickeln bzw. bestehende Verschlüsse so zuverlässig machen, dass eine genau definierte Sauerstoff-Transferrate (also von außen durch den "Korken" in den Wein) - erzielt wird. Tatsächlich ist es nachvollziehbar, dass bei einem synthetisch hergestellten Verschluss solche Raten genauer zu definieren sind als beim Naturkorken, bei dem kein Exemplar dem anderen gleicht. Allerdings bestehen unter unabhängigen Experten erhebliche Zweifel, ob Weine nach der Flaschenfüllung überhaupt mit Sauerstoff von außen versorgt werden müssen.

Nomacorc produziert jährlich etwa 2 Milliarden Weinverschlüsse.

Schrauber statt DOC Classico

Das italienische Weingut Allegrini verkauft seinen Valpolicella Classico künftig nur noch als Valpolicella. Als Classico nämlich dürfte die Kellerei ihre Weine nicht mit Schraubverschluss abfüllen – und genau das beabsichtigt man.

 

Ein Unternehmenssprecher von Allegrini erklärte, dass man auf eine Änderung der Bestimmungen gewartet habe, dass diese aber nicht erfolgt sei. Der Schraubverschluss sei aber wichtiger als der Begriff Classico auf dem Etikett.

 

Damit macht das Unternehmen ein Problem öffentlich, das auch in zahlreichen anderen Regionen und Ländern existiert. Viele DOC-Bestimmungen fordern ultimativ die Verwendung für Naturkork, auch anderswo - wie bei der AOC Champagne in Frankreich - sind Alternativen nicht zugelassen.

 

Für Allegrini liegt die Ursache für den Umstellwunsch allerdings nicht in einer erhöhten Rate von TCA-belastetem Kork. Franco Allegrini, Winemaker des Unternehmens, ist lediglich überzeugt davon, dass Stelvin-Verschlüsse die Frische des Weines besser bewahren könnten. Außerdem gebe es, vor allem vonseiten britischer Verbraucher, eine hohe Nachfrage nach Flaschen mit Aluminium-Anrollverschlüssen.

 

Ob die Entscheidung die zuständigen Gremien, die für eine Änderung der DOC-Bestimmungen zuständig sind, unter Druck setzen kann, ist offen.

Acht Jahrgänge Stainless Cap

Das Weingut Querbach im Rheingau füllt seit 1999 seine Weine mit Stainless Cap ab. Am 20.3.2008 öffnete Peter Querbach acht Jahrgänge seines Riesling Oestricher Doosberg (Erstes Gewächs). Die Weine wurden unmittelbar vor der Verkostung von der Kapsel befreit.

 

1999 Doosberg Riesling. Duftig, zugänglich, etwas reife Melone, zu Beginn etwas staubig, später klare Frucht, leicht cremig, fest, elegant, recht kompakt, leichte Mineralität, keinerlei Alterserscheinungen.

2000 Doosberg Riesling. Für den Jahrgang verblüffend klar und reintönig, Stachelbeere, leicht rauchig; wirkt sehr frisch, saftig, lang anhaltend und würzig.

2001 Doosberg Riesling. Klare Frucht, Stachelbeeren, etwas getrocknete Aprikose; viel Würze, sehr frisch, vibrierende Säure, saftig, pikant, nachhaltig.

2002 Doosberg Riesling. Sehr jugendlich und reduktiv, Stachelbeere, Holunder, Physalis; saftig, enorm viel Frucht, bemerkenswerte Struktur, dicht. Wirkt deutlich jünger, als der Jahrgang vermuten lässt.

2003 Doosberg Riesling. Reife Frucht, Melone, ganz leicht gemüsig; elegant, straff, recht ausgewogen, nicht ganz die Komplexität und Vielschichtigkeit wie die Vorgänger - und die Nachfolger.

2004 Doosberg Riesling. Offensive Frucht, Stachelbeere, leicht rauchig, deutlich, aber nicht unangenehm von der spontanen Vergärung geprägt. würziger Nachklang, sehr präzise, pikante Säure.

2005 Doosberg Riesling. Jahrgangstypisch reife Frucht, Pfirsich, ein Hauch Apfelschale; saftig, opulent, konzentriert, fast ein bisschen eindimensional, könnte sich noch entwickeln.

2006 Doosberg Riesling. Reife Stachelbeeren, Ananas, Aprikose,leicht rauchig-würzig; saftig, klare Frucht, noch sehr jugendlich, viel Potenzial.

 

Und zum Schluss: 1976er Oestricher Lenchen Riesling Auslese; ursprünglich mit Kork verschlossen, später geöffnet, gefiltert und in Flaschen mit Stainless Cap abgefüllt: ein überraschend klarer, feiner, jugendlicher Wein mit markanter Säure. Für den heißen Jahrgang eine echte Sensation!

Peter Querbach möchte den von ihm mitentwickelten Stainless Cap weiter verbessern; zur Zeit traut er ihm zehn Jahre zu, die Weiterentwicklung soll auf 20 Jahre Alterungspotenzial kommen. Anschließend könnten die Weine, wie beim Kork, neu verschlossen werden.

Die Probe hat jedenfalls ergeben, dass auch acht Jahre nach der Abfüllung keinerlei Ermüdungserscheinungen - weder beim Verschluss noch beim Wein - festzustellen sind. Ganz im Gegenteil: Es ist fraglich ob Kork-verschlossene 2000er oder 2001er noch so jugendlich geschmeckt hätten (schade, dass kein Vergleich möglich war!). Allein der 2002er wies leicht reduktive Noten auf.

Nomacorc setzt sich offenbar durch

Wie die Fachzeitschrift Wein + Markt berichtet, hat sich der weltweit führende Hersteller von Kunststoffverschlüssen, die Firma Nomacorc, bei einem Patentstreit durchgesetzt. Im Disput mit einem anderen Hersteller synthetischer Weinverschlüsse um das von Nomacorc patentierte Co-Extrusionsverfahren wurde offenbar eine außergerichtliche Einigung erzielt. Wie Wein + Markt anscheinend in Erfahrung gebracht hat, behält das Patent von Nomacorc damit Gültigkeit in ganz Europa.

Notverschraubung bei Leeuwin

Die australische Weinkellerei Leeuwin verschraubt die Restbestände an alten Chardonnays.

 

Leeuwins Winemaker Paul Atwood hat bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, die noch vorhandenen Archivbestände an Chardonnay der Top-Linie Art Series vom Kork zu befreien und mit Schraubverschluss neu zu versiegeln. Verkostungen hätten gezeigt, dass Beeinflussungen durch den Kork - Mufftöne oder unregelmäßige Oxidation - ein großes Problem darstellten. Insgesamt wurden mehr als 1.000 Flaschen der Jahrgänge 1982 bis 1999 geöffnet, probiert, umgefüllt und verschraubt; weitere aus den Jahren 1980 bis 1982 sowie 1999 bis 2002 sollen folgen. Mittlerweile werden bei Leeuwin gar keine Weine mehr verkorkt. (WF)

1,5 Liter mit Glasverschluss?

Wer bislang Magnumflaschen mit Glasverschluss abfüllen wollte, hatte das Nachsehen. Doch nun sollen sie produziert werden, die Vino-Lok-Bouteillen mit einem Fassungsvermögen von 1,5 Litern. Die Bayerischen Flaschen-Glashüttenwerke planen die Einführung einer Magnumflasche im Bordeauxstil, falls die Nachfrage entsprechende Höhe erreiche. In einem Schreiben an Kunden teilt die Firma mit, dass die Flasche ab dem zweiten Halbjahr 2008 auf den Markt kommen könne. Geplant ist zunächst eine Variante in olivgrün, doch zeigt sich die Firma auch bezüglich anderer Farben offen. Kundenwünsche sollen nach Möglichkeit berücksichtigt werden.

Filter gegen TCA

Die Firma Filtrox hat eine Fliterschicht entwickelt, die TCA und verwandte Stoffe angeblich vollständig aus dem Wein entfernen kann. Ob sich diese Methode auch für den Privatanwender eignet, ist allerdings fraglich.

 

Die FIBRAFIX TX-R Tiefenfilterschicht wurde 2007 zum Patent angemeldet. Nach Angaben des Schweizer Herstellers handelt es sich um ein "äußerst wirkungsvolles neues Produkt zur Entfernung von TCA aus Wein und anderen Getränken, ohne das Aroma und den Geschmack zu beeinflussen".

 

Damit soll das System bewährte, aber nicht wirklich nebenwirkungsfreie Haushaltsmethoden ersetzen. Der Einsatz von Polyethylen ist zwar wirksam, reduziert aber die Aromastoffe im Wein. Auch die Behandlung mit Milch oder Senfsamen führt nicht zu perfekten Ergebnissen.

 

Anders soll dies beim FIBRAFIX TX-R sein. Die Filterschicht wirke "wesentlich effektiver als die anderen Methoden", so Dr. Jürgen Ebert, Leiter der Filtrox-Entwicklungsabteilung. Während der Filtration von TCA-haltigem Wein durch die FIBRAFIX TX-R Schicht in einen sauberen Tank wird die unerwünschte Verbindung 2,4,6-Trichloranisol angeblich in einem einzigen Durchlauf entfernt. Die Hauptkomponente in der FIBRAFIX TX-R Filterschicht ist eine anorganische Verbindung, die bereits die Zulassung zur Weinbehandlung erhalten habe. Die Substanz wurde zur Entfernung von TCA-Molekülen optimiert. Allerdings wirkt sie auch gegen Tribromanisol (TBA)und Tetrachloranisole (TeCA) aus dem Produkt.

 

Die 1938 gegründete Firma FILTROX ist eine der weltweit führenden Firmen für die Getränkefiltration. Sie ist Teil der FILTROX-Gruppe mit Hauptsitz in St. Gallen, Schweiz und sie verfügt über Verkaufsniederlassungen und Produktionsstätten in der Schweiz, in Grossbritannien, Spanien, in der Tschechischen Republik, in den USA sowie in Frankreich und Deutschland.

 

Weitere Informationen sind erhältlich über Markus Saurer (Telefonnummer +41 71 272 91 11) oder per email: m.saurer@filtrox.ch.

Nomacorc - auch als Premium


Nomacorc Premium (Foto: Nomacorc)

Sind Kunststoffpropfen so schlecht wie ihr Ruf? Die Hersteller sind der Ansicht, dass dies keineswegs der Fall ist - und auch einige (allerdings bislang nur wenige) Winzer vertrauen ihre besseren Weine dem Kunststoff-"Korken" an. Der Marktführer Nomacorc hat zu diesem Zweck einen Premiumverschluss entwickelt, der auch für längere Lagerung geeignet sein soll.

Der Hersteller gibt u.a. folgende Daten an: Sauerstoffdurchlässigkeit: 0,015 cm3 pro Flasche und Tag. Weinhaltbarkeit: 60-72 Monate.

Weitere Infos zum Thema bei Nomacorc oder auf dieser Website unter dem Stickwort Alternativen.

CorkScrewCap - eine neue Erfindung

Eine Kombination von Korken und Schraubverschluss wurde in Südafrika entwickelt - was dieses Produkt tatsächlich bewirken kann, ist allerdings noch offen.

VDP präsentiert sich zusammen mit dem Korkverband

Die Korkindustrie hat in den letzten Jahren viel Geld in die Verbesserung des Produktes Naturkork gesteckt - und der Verband der Prädikatsweingüter Deutschlands (VDP) begrüßt die Anstrengungen des Korkverbandes im Bezug auf Qualitätssicherung und Umweltschutz.

 

Den Journalisten stellt sich der VDP am 7. November 2007 gemeinsam mit dem Deutschen Korkverband und Antonio Amorim, dem Präsidenten des portugiesischen Korkverbandes APCOR.

Der Korkgeschmack-Scanner

Experten der kalifornischen Universität Davis haben angeblich einen Scanner entwickelt, der bei verschlossenen Flaschen TCA entdecken kann. Das Molekül TCA wird nach Informationen der britischen Zeitschrift Decanter bereits in einer Konzentration von 1 ppt (parts per trillion) aufgespürt; die menschliche Nase schafft dies erst bei 3 bis 8 ppt.

Wann der Scanner serienmäßig produziert wird und ob sich der Einsatz in der Praxis (bei Weingütern oder bereits bei Korkproduzenten) bewährt, ist bislang noch völlig unklar.

Flaschenvarianzen bei Glasverschluss und Co.?

Professionelle Verkoster berichten über Abweichungen, die bei Flaschen mit Stainless Cap oder Glasverschluss entstehen. Der Kork, der in der herrschenden Lehre für die Mehrheit aller derartigen Probleme verantwortlich gemacht wird, kann naturgemäß nicht der Verursacher sein.

Verschlusssache Wein möchte der Sache auf den Grund gehen und bittet um Erfahrungsberichte. Wer hat als Winzer oder Gastronom Erfahrungen gemacht mit signifikanten Flaschenabweichungen? Mail bitte an: wfassbender@t-online.de

Schraubverschluss - Mercaptane vorprogrammiert?

Der Weinautor Jamie Goode beschäftigt sich in einem Artikel ausführlich mit den Problemen, den Vor- und Nachteilen des Schraubverschlusses beim Wein. Er kommt zu dem Schluss, dass Weine mit Zinn-Saran-Beschichtung im Inneren der Schraubkapsel deutlich anfälliger für das Auftreten von Mercaptan sind als solche, die lediglich mit Saran (Saranex) abgedichtet werden.

Nach Ansicht von Goode lassen Scewcaps, die zusätzlich mit einer Zinnauflage und einer Schicht PdVC (jene, die mit dem Wein in Berührung kommt) versehen sind, deutlich weniger Sauerstoff durch als Screwcaps mit ausschließlicher Saranex-Schicht. Durch die extrem geringe Sauerstoffzufuhr seien Reduktionsnoten bis hin zur Ausbildung von Mercaptanen nicht nur möglich, sondern quasi vorprogrammiert.

Kommentar von Wolfgang Faßbender

Doch was ist dran an der Analyse? Autor Goode sagt ja mehr oder weniger deutlich, dass ein gewisser Anteil Sauerstoffzufuhr wenn nicht notwendig, so doch wünschenswert sei, um Fehltöne zu vermeiden. Diese Meinung allerdings ist umstritten. Das Problem der Reduktionsnoten ist sichlich nicht von der Hand zu weisen, doch wenn wirklich der angeblich fehlende Sauerstoff das Problem wäre - weshalb befällt dann nicht jeden mit Schrauber verschlossenen Wein das Problem? Bislang gibt es keinen Grund, auf Schraubverschlüsse mit Zinnschicht zu verzichten.

Der ultimative Test Kork-Schraubverschluss

Vino-Lok wird teurer

Das Glasverschlusssystem Vino-Lok wird, nicht zum ersten Mal, deutlich teurer. Wie die Firma Wiegand Glas mitgeteilt hat, erhöht sie die Tarife um drei Prozent. Tatsächlich ist das System aber auch weiterhin konkurrenzfähig gegenüber anderen Verschlussarten, denn auch zahlreiche Produzenten konventioneller Weinflaschen haben in den vergangenen Monaten ihre Preise erhöht.

VINEXPO und der Verschluss

In Bordeaux hat am vergangenen Sonntag (17.6.) die weltweit wohl bedeutendste Weinmesse begonnen. Auf der VINEXPO nahmen auch zahlreiche Journalisten erstmals wahr, dass nicht nur Korken einen Wein verschließen können. Im Pressezentrum stand - neben zahlreichen französischen Weinen - ein 2005er Mittelheimer St. Nikolaus vom Weingut Kühn zur Verkostung bereit (mit Schraubverschluss STELVIN abgefüllt), die örtliche Tageszeitung berichtete am Dienstag früh über Bordelaiser Weingüter, welche ihre Weine mit capsule à vis verschließen. Nicht nur für leichten Rosé (wie Château Malartic-Lagravière), sondern auch Vignobles Magnaudeix.

Das ganz spezielle deutsche Korkproblem


Gespräch mit Manfred Loch, Winzer im Weinhof Herrenberg an der Saar.

"Die Korkprobematik", so erzählt Rieslingwinzer Loch, "zeigt sich im Ausland viel schwächer". Andere Weine, nicht so filigran und anfällig für Feher wie Riesling von der Mosel. "Kürzlich durfte ich an einer Präsentation in Luxembourg teilnehmen. Es waren acht europäische Winzer aller führenden Weinbauländer anwesend. Mir fiel auf, dass beim öffnen der Flaschen, die mehrheitlich mit >> Naturkorken verschlossen waren, sich die wenigsten um ein Vorverkosten bemühten, sondern im guten Vertrauen die Weine dem anwesenden Publikum präsentierten. In einer "Windstillen" Zeit machte ich mich auf den Weg und probierte ca. 50 Weine der Anwesenden. Ergebnis: ca. 10 Weine hatten Kork (mal mehr, mal weniger). Meine Schlussfolgerung: 90% der Konsumenten können bei einen nicht Wein nach Kork, Korkbeeinflussung oder keine Beeinflusssung unterscheiden (und die Winzer wissen das)."

Manfred Loch hat sich längst komplett vom Kork zurückgezogen. Seine Wah ist der Stainess Cap, auch Kronkorken genannt. "Würde dieser Verschluss heute erfunden, sein Siegeszug um die Welt wäre unaufhaltsam."

Schraubverschluss in der Schusslinie

Einem Bericht der neuseeländischen Zeitschrift "Listener" zufolge sind Schraubverschlüsse bei Weinflaschen mitverantwortlich für die Zunahme an Brust- und Prostatakrebs. Viele Experten bezweifeln allerdings diese Aussagen.

 

Weinautor Keith Stewart macht in seinem Beitrag den Kunststoff Polyvinylidenchlorid (PVDC) mitverantwortlich für die Zunahme von Brust- und Prostatakrebs in Neuseeland. Im Land werden rund 80 Prozent aller Weine mittlerweile mit Schraubverschlüssen versiegelt, in denen PVDC, auch unter dem Markennamen Saran bekannt, verwendet wird. Neuseeländische Sauvignon blancs sind sogar zu rund 100 Prozent mit Screw Cap verschlossen.

 

Kritiker unter Weinjournalisten und Wiessenschaftlern zweifeln Stewarts Aussagen an. Sie verweisen darauf, dass das Material bereits seit mehr als 50 Jahren in der Lebensmittelindustrie verwendet wird und von zahlreichen Behörden in aller Welt für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen ist. PVDC wird auch ausserhalb der Weinindustrie eingesetzt, etwa bei Mineralwasser.

 

Tatsächlich scheinen die Belege für Stewarts Aussagen recht dünn zu sein. Im Wesentlichen beruft sich der Autor auf einen einzigen Forscher, der einen solchen Zusammenhang für denkbar hält.

Noch kein Boom bei verschraubten Smaragden

Vom Jahrgang 2006 wird es nur eine Hand voll verschraubter Smaragde geben. Die Mitglieder der Wachauer Vereinigung VINEA bleiben vorerst in ihrer großen Mehrheit beim Naturkork. Allerdings hat dies ganz einfache Gründe: Die jüngste Änderung der Bestimmungen kam für einige Erzeuger schlicht zu spät, als dass sie noch den Verschluss hätten wechseln können.

Für den Jahrgang 2007 allerdings ist noch vieles offen. Einige Winzer geben offen zu, dass sie abwarten, wie die Kunden reagieren, um dann im kommenden Jahr eventuell mit Schraub- oder Glasverschluss nachzuzulegen. Die große Welle der Alternativverschlüsse dürfte allerdings auch dann noch nicht schwappen: Einige der bekanntesten Wachauer Winzer hatten schon vor Wochen bekräftigt, dass sie auf absehbare Zeit traditionell bleiben wollen.

Glasstopfen der Firma Alcoa - zukünftig auch für Wachauer Smaragde zugelassen.

Wachau: Smaragd auch mit Schraubverschluss

Die Mitglieder der Vinea Wachau dürfen zukünftig auch ihre Spitzenweine, die Smaragde, mit anderen Verschlüssen als Naturkorken abfüllen. Zugelassen sind ab dem Jahrgang 2006 sowohl Schraubverschlüsse als auch Glasstopfen. Bislang waren Korken vorgeschrieben. Nach wie vor untersagt sind für Smaragde Kunststopf-"Korken" sowie die so genannten Stainless Caps, also Kronkorken.

 

Die Spitzenerzeuger der Qualitätsvereinigung haben sich allerdings darauf geeinigt, zunächst beim Naturkorken zu bleiben. Dennoch dürfte es schon bald die ersten nicht-verkorkten Smaragde geben, allerdings müssen diese mit auf den Schrauber oder den Glasstopfen aufgeprägten Jahrgang ausgeliefert werden. Das Weingut Josef Höllmüller in Joching dürfte das erste sein, das sich mit verglasten Smaragden auf den Markt traut - bislang heissen die mit Schraubverschluss abgefüllten Spitzenweine dieses Gutes nämlich zwangsweise noch nicht Smaragd.

Franzosen fordern mehr Unterstützung

Französische Winzer sehen auch in ihrer Heimat Chancen für den Schraubverschluss - wenngleich die Konsumenten noch von dessen Vorteilen überzeugt werden müssten.

 

Bei einer Tagung der noch kleinen Anzahl der überzeugten französischen Schraubverschluss-Winzer beklagten die Erzeuger die Zurückhaltung der heimischen Verbraucher. Weder Kunden noch Weinjournalisten hätten sich des Themas bisher in einem Maße angenommen, wie es etwa im Vereinigten Königreich längst der Fall sei.

 

Ausser den Journalisten und den Kunden sei auch der Weinhandel - sowohl der Fachhandel wie der LEH - skeptisch bei allen Alternativen zum Naturkork, sagte Nathalie Bergès-Boisset von Boisset (Burgund).

 

Der Gedankenaustausch zwischen den Schraubverschluss-verwendenden Winzern erfolgte auf Einladung der Firma Alcan, des Herstellers von Stelvin-Schraubverschlüssen. Die Winzer zeigten sich davon überzeugt, dass der Schraubverschluss Potenzial habe und sich auch in Frankreich durchsetzen werde - sofern die Unterstützung von den Handelsketten und der Presse zunehme.

 

Zu den Erzeugern, die zumindest teilweise Schraubverschlüsse für ihre Weine verwenden, zählen in Frankreich:

 

- Domaine Albert Mann (Wettolsheim, Elsass)

- Domaine Boisset (Burgund),

- André Lurton (Bordeaux)

- Château Malartic-Lagravière (Bordeaux)

- Domaines Paul Mas (Languedoc)

- Michel Laroche (Chablis, Burgund)

Schmiergeld von der Korkindustrie?

Der Kellermeister der Winzergenossenschaft Erbach im Rheingau wurde fristlos entlassen. Ihm wird - wie nun die Zeitschrift WEINWIRTSCHAFT berichtet - nicht nur die Unterschlagung von Wein, sondern auch die Annahme von Bestechungsgeldern der Korkindustrie vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Fall zeigt, wie hart der Markt für Flaschenverschlüsse umkämpft ist. Durch die zunehmende Konkurrenz vonseiten der Hersteller von Schraub- oder Glasverschlüssen steigt der Druck auf die Korkfirmen. Schmiergelder werden nach Meinung von Insidern nicht nur in Deutschland gezahlt. Bisher allerdings gelangten solche Vorgänge nicht in die Öffentlichkeit.

Erfahrungen über Schmiergeldangebote oder -zahlungen werden gern entgegen genommen (wfassbender@t-online.de), die Anonymität bleibt gewahrt.

Rosemount verbannt den Kork

Schon bislang waren die australischen Winzer dem Kork gegenüber skeptisch eingestellt. Als erstes Gigant der australischen Weinindustrie hat jetzt Rosemount angekündigt, seine komplette Erzeugung nicht mehr mit Naturkorken, sondern mit Schraubverschlüssen auf den Markt zu bringen.

 

Sowohl Rot- als auch Weissweine werden zukünftig auf Schraubverschlüsse des Typs Stelvin umgestellt. Betroffen von der Entscheidung sind nicht nur die Alltagsweine, sondern alle Produktlinien, bis hin zu den hochklassigen, für längere Lagerung vorgesehenen Show-Reserve-Weinen.

 

Die Umstellung soll in den kommenden zwei Jahren erfolgen; noch vorhandene Kontingente an verkorkten Weinen werden natürlich noch abverkauft. Rosemount begründet die Entscheidung mit der zunehmenden Akzeptanz des Schraubverschlusses nicht nur bei australischen Weintrinkern, sondern auch auf den europäischen und anderen Märkten.

 

Kenner rechnen damit, dass mittelfristig weitere australische Weinfirmen über eine ähnliche Entscheidung zumindest nachdenken. Da Rosemount mit seiner Jahresproduktion von über 40 Millionen Flaschen seinerseits dem Wein- und Bier-Riesen Foster's gehört, könnten schon bald weitere Unternehmen nachziehen.

 

www.rosemountestate.com

Vertrauen in den "atmenden" Kunststoffkork

Wie das Handelsblatt berichtet, will die italienische Firma Oliver Ogar Italia mit einem angeblich atmenden Weinverschluss aus Kunststoff einen Marktanteil von drei Prozent auf dem italienischen Markt erreichen.

Der "Korken" ist in der Mitte mit einer Öffnung und einer beidseitig durchlässigen Membran versehen. Durch diese werde, so die Firma, eine Zufuhr von Luft ermöglicht, wie sie einem Naturkorken entspricht. Oliver Ogar hat das Produkte gemeinsam mit der Universität von Udine entwickelt. Noch unklar ist allerdings, ob der Kunststoffkork nicht auch die bekannten Nachteile hat (ohnehin erhöhte Sauerstoffzufuhr im Vergleich etwa mit Schraubverschluss) und sich für lange Lagerung eignet. Die Firma scheint gleichwohl überzeugt zu sein von ihrem Produkt, das in zwei Varianten auf den Markt kommt. Außer dem "Korked Blue" (für bis zu 24 Monate Lagerung geeignet) wird ein "Korked Pro" angeboten, für dessen Dichtigkeit Oliver Ogar eine Garantie von fünf Jahren gibt.

Laut Hersteller gibt es zwei Vorzüge: einmal die Tatsache, dass der Verschluss kein TCA entwickeln könne und zum anderen die Tatsache, dass durch die Membran eine kontinuierliche Zufuhr von geringsten Mengen Sauerstoff möglich sei - was für die Reifung des Weines Vorteile habe.

Exakte Daten zur Menge des duchgelassenen Sauerstoffs waren bislang von der Firma nicht zu bekommen.

Kritiker werfen dem Verfahren vor, die Tatsache zu vernachlässigen, dass hochwertige Naturkorken nur äußerst geringe Mengen Sauerstoff durchlassen, wohingegen Kunststoffkorken ohnehin bereits durchlässiger sind.

Das Verfahren ist in 37 Ländern patentiert.

Pichon-Zweitwein mit Schraubverschluss

Der Zweitwein des Bordelaiser Château Pichon-Longueville (Baron) ist nun auch mit Schraubverschluss erhältlich.

Das zweitklassifizierte Château füllte eine Partie seines Zweitweines Tourelles de Longueville mit Schraubverschluss ab. Die 12.000 Flaschen des Jahrgangs 2004 werden - mit dem Stelvin Deluxe gegen Luftzufuhr geschützt - exklusiv auf dem britischen Markt verkauft.

An eine Ausweitung des Experiments auf den Erstwein oder auf den deutschen Markt ist bislang nicht gedacht.

Schraubverschluss - mehr Probleme als gedacht?

Die britische Zeitung Telegraph schlägt Alarm - Millionen Weinflaschen seien womöglich durch den Schraubverschluss negativ beeinträchtigt.

Nach Angaben des Telegraph wurden auf der International Wine Challenge in London zehntausende von Flasche geöffnet und verkostet, davon allein 9.000 mit Schraubverschluss. Von diesen seien 2,2 Prozent durch Schwefelverbindungen merklich beeinträchtigt gewesen. Vor allem Schwefelwasserstoff, der sich durch den Geruch nach verfaulten Eiern auszeichnet, scheint von den Testern als Problem wahrgenommen worden zu sein.

Es ist offenbar das erste Mal, dass in einem so umfassenden Maß über Probleme mit verschraubten Weinen berichtet wird. Bei den neuseeländischen Winzern, die zur Challenge fast ausschließlich auf diese Weise verschlossene Flaschen eingereicht hatten, hält sich die Sorge gleichwohl in Grenzen. Hier waren nur 1,7 Prozent der Flaschen betroffen.

Innovationspreis für DIAM-Verfahren

Mit dem Niederösterreichischen Innovationspreis wurde ein Verfahren zur Reinigung des Korks von 2,4,6-Tri-Chlor-Anisol prämiert. Bei dieser Methode wird das Korkgranulat - also nicht die ganzen Naturkorken - mit so genanntem überkritischen Kohlendioxid behandelt. TCA kann bis unter die Nachweisschwelle reduiziert werden, ausserdam werden Bakterien und Pilze abgetötet. Die österreichische Firma Natex bietet die daraus geformten Stopfen unter dem Markennamen Diam (für Wein) bzw. Mytik Diamant (für Schaumwein) an.

 

Der Preis wurde nun vom niederösterreichischen Landeshauptmann-Stellvertreter Ernest Gabmann verliehen. Diam hat sich binnen zweier Jahre bereits einen beachtlichen Markt geschaffen, nach Informationen der österreichischen Zeitschrift "Der Winzer" verwendet sogar der Champagner-Hersteller Moet & Chandon den Verschluss.

 

Weitere Informationen: www.diam-korken.de

Der etwas andere Schraubverschluss


Herkömmliche Schraubverschlüsse sind erst dann dicht, wenn sie mit der Maschine aufgesetzt werden. Doch nun scheint es eine Alternative für den Handgebrauch zu geben, ideal für kleine Mengen und Versuche. Chic sieht es auch noch aus.

Der Handicap-Schrauber kann angeblich auch bei leicht beschädigten Flaschenmündungen verwendet werden, und - vielleicht das wichtigste Argument - er sieht von außen nicht aus wie ein Schrauber, sondern wie eine Kapsel.

Weiteres unter: http://www.kork-kunze.at/schrauber/handicap.html

Schraubverschluss mit Innengewinde

Amorim zum Thema Kork

Der größte Korkproduzent Portugals hat untersucht, welcher Flaschenverschluss der beste ist; das Ergebnis der folgende Pressemitteilung überrascht daher nicht:

 

 

Pressemitteilung

Kork, Kunststoff oder Aluminium –

welches ist der beste Weinverschluß für deutsche Weine?

 

 

(Bingen/Paris, November 2006) – Kaum ein Thema wird in der internationalen Weinbranche mehr diskutiert wie das Verschlussproblem. Naturkorken oder andere Materialien - sind Aluminium- oder Kunststoffkorken eine Alternative? Unter der Schirmherrschaft der Académie Amorim, Paris,  fand zum ersten Mal in Deutschland eine Diskussionsrunde mit  Experten* aus beiden Ländern zu dieser Thematik statt. Auch hier waren sich – wie beim ‚29. Weltkongress für Rebe und Wein’  Ende Juni 2006  im spanischen Logroňo  die Teilnehmer einig: Die Vorzüge von Naturkorken überwiegen unter kulturellen, Umwelt- und önologischen Gesichtspunkten, sofern auch zukünftig die Qualität auf höchstem Niveau gewährleistet ist.

 

Seit einigen Jahren ist die Diskussion über das Material des Weinverschlusses in Bewegung gekommen. Das Für und Wider des Naturkorkens stellt Winzer, Wein-händler und Weinenthusiasten vor neue Fragen:

 

Welchen Einfluss hat das traditionelle Ritual des Entkorkens?

Welches Material ist das Beste für die Umwelt?

Welche Auswirkungen hat das Verschlussmaterial auf Qualität und Reifeprozess des Weines ?

 

Hinzu kommen marktwirtschaftliche Überlegungen wie Preis und die Reaktion der Verbraucher.

In Deutschland liegt derzeit der  Naturkorken mit 53% Marktanteil nach wie vor an der Spitze, es folgen Kunststoffverschlüsse mit 27% und Schraubverschlüsse  mit 20%.

 

Das Image von Qualitätsweinen ist immer noch eng mit Naturkorken verbunden. Der Weinkenner möchte auf das berühmte ‚Plopp’ nicht verzichten. Das klassische Ritual des Entkorkens ist stark im Bewusstsein der Konsumenten verankert. ‚Wein ist ein Kulturgut - man macht keine Flasche Wein auf wie eine Flasche Wasser’ (Dr. Jacques Puisais). ‚Kork und Wein gehören zusammen‚ sie sind aus Tradition natürliche Partner’ (Dr. Gerhard Scholten).

 

In diversen Studien, die die Umweltverträglichkeit der verschiedenen Verschluß-materialien überprüften, bekam der Naturkorken in der Ökobilanz bessere Noten als seine Pendants (Rainer Jung).

Als weiterer Umweltaspekt wurde die ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Korkbewirtschaftung angesprochen. Zitiert wurde eine internationale Kampagne des WWF, die sich für die Erhaltung der Korkeichenwälder einsetzt. Der WWF befürchtet  das Verschwinden der Korkeichenwälder, wenn der Marktanteil von Kunststoff- und Alu-Verschlüssen weiter wächst. Die Erhaltung der Korkeichen wird durch ihre Nutzung gewährleistet.

 

Die chemische Substanz TCA ist als Hauptverursacher des Kork-Geschmacks erkannt. Die Korkindustrie hat die Gefahr durch neue technologische Verfahren und strengste Kontrollen der Qualitätssicherung in den Griff bekommen. Hierin waren sich alle Diskutanten einig.

 

Für Weine, bei denen die Reifung eine entscheidende Rolle spielt - wie Rotwein - bleibt der Naturkorken der optimale Verschluss. ‚Bei jungen, fruchtigen und frischen Weißweinen spielt Lagerung und damit die Verschlussproblematik nur eine untergeordnete Rolle’ (Dr. Gerhard Scholten). Ein weiterer Vorteil des Naturkorkens liegt in seiner Geschmeidigkeit zur Flasche und damit seiner Fähigkeit ‚ gut reisen zu können (Robert Tinlot). Ein wichtiger Aspekt für den internationalen Weinhandel.

 

Der Naturkorken wird auch als geeigneter als andere Verschlüsse für Weine gesehen, die lange lagern. Für schnell konsumierbare Massenweine bieten andere Materialien kurzfristig Vorteile. ‚Zu industriell erzeugten Weinen passt ein technisch erzeugter Stopfen. Winzer, die Wert auf die handwerkliche Weinbereitung und Naturbelassenheit der Weine legen, favorisieren den Naturkorken.’ (Dr. Gerhard Scholten).

 

Die Korkbranche muss mit dem Phänomen leben, daß sie ein Naturprodukt verkauft, das gewissen Schwankungen unterliegt. Im Hinblick auf technologische Beschaffen-heit, Reinheit und Qualität muss dieses Produkt höchsten Ansprüchen genügen. Letztendlich ist  die Wahl des Weinverschlusses Ausdruck einer bestimmten Philosophie und wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie (Robert Tinlot).

 

 

Die Académie Amorim wurde 1992 in Frankreich gegründet und versammelt die Meinungsführer der Weinwelt. Ihr Ziel ist es, Weinwissen und -forschung zu fördern: Sie schreibt jährlich einen internationalen Forschungspreis für junge Wissenschaflter aus und organisiert Konferenzen und Diskussionsrunden zum Thema Wein. Sitz der Académie ist Paris.

 

 

*  Dr. Rainer Jung/ Fachhochschule Geisenheim;

    Dr. Jacques Puisais/ Präsident der  Internationalen Önologen Vereinigung

    Robert Tinlot/ Académie Amorim

    Dr. Gerhard Scholten/ Dienstleistungszentrum Trier

Weingut Tesch erhält Designerpreis

Auch dem Schraubverschluss hat es das Weingut Tesch zu verdanken, dass ihm Anfang Dezember der Red Dot Award verliehen wird. Dieser renommierte Designpreis wird dem Nahe-Weingut für seine Etiketten, die Kommunikationskampagne sowie für die Gestaltung mit farblich unterschiedlichen Schraubverschlüssen verliehen. Unter dem Slogan "Tesch dreht auf" hatte der Betrieb für seine Abkehr vom Naturkorken geworben. Offensichtlich erfolgreich.

 

Näheres unter: www.weingut-tesch.de/apropos.htm

Michael Prónay äußert sich zum Thema Sekt

Auch Sektverschlüsse können Fehltöne im Schaumwein verursachen. Für die wenigsten Sekterzeuger ist dies allerdings bisher ein Anlass, auf Alternativen umzusteigen. Mehr noch als beim "normalen" Wein sind die Verbraucher offenbar an den klassichen Sektkorken gewöhnt.

Der österreichische Weinjournalist Michael Prónay beschäftigt sich in einem Artikel für die Zeitschrift À la carte mit diesem Thema und berichtet über Winzer, die doch mit einer Umstellung auf Kronkorken (die einzige Alternative, welche angesichts des Flaschendrucks infrage kommt) liebäugeln.

 

Ein Auszug:

ES PERLT IM LANDE (Artikel in À la carte 4/2006)

von Michael Prónay

Alternative Verschlüsse?

Auch wenn wir dem Leser auf die Nerven gehen: Auch Sekt kann korken. Also haben wir nachgefragt, wie es mit der Kronenkapsel statt dem Korkstöpsel aussieht, ein Verschluss, den jede Sektflasche ohnehin während ihrer Produktion trägt und der also die mit Abstand einfachste Alternativverschlusslösung in der gesamten Weinbranche bedeuten würde. Druckdichtigkeit über Jahrzehnte und Homogenität von Flasche zu Flasche wären gesichert. Willi Bründlmayer: „Eine ausgezeichnete Idee, für den glasweisen Ausschank in der Gastronomie ideal, danke für die Anregung!“ Michael Moosbrugger: „Ich habe vor, beim nächsten Degorgieren für Adi Schmid im ,Steirereck’ eine Charge mit Kronenkork zu verstöpseln.“ Christian Reiterer, der ohnehin den Frizzante zur Gänze verkapselt: „Die Resonanz ist ausgesprochen positiv, ich werde einmal mit Schlumberger darüber reden.“

Das schönste Erlebnis hat Axel Stiegelmar beizusteueren: „Wir haben das sogar schon gemacht, aber durch einen Pallawatsch beim Umpacken der Paletten haben wir die Spur der Flaschen ein wenig verloren.“ Eines Tages – kurz zuvor war eine Palette in die Schweiz gegangen – war die aufgeregte Importeurin am Telefon: „Herr Stiegelmar – Ihr Sekt ist ja nicht degorgiert!“ Der Irrtum war schnell aufgeklärt, und die ersten Reaktionen ebenfalls positiv. Freuen wir uns auf eine korkfehlerfreie Sektzukunft!

 

Der komplette Artikel ist zu lesen unter:

http://www.weinausoesterreich.at/frischgepresst/alacarte200604.htm

Gibt es ein Glassplitterproblem?

Immer wieder hört man von Problemen mit zersplitterten Glasstopfe bei Vino-Lok-Verschlüssen. Doch handelt es sich um seriöse, nachprüfbare Fakten oder eher um die Streuung böser Gerüchte durch die Konkurrenz?

 

Die Redaktion von VERSCHLUSSACHE WEIN sucht Erfahrungsberichte von Winzern, Händlern, Sommeliers und Weintrinkern.

Weichmacher oder nicht?

Immer wieder machen Gerüchte um Weichmacher in Alternativverschlüssen die Rede, die in den Wein übergehen sollen. Doch sind die Kunststoffe in Schraubverschlüssen, Kronkorken und Vino-Loks wirklich mit Weichmachern behandelt? Und ist auszuschliessen, dass diese nach einigen jahren in den Wein übergehen? Die Industrie gibt sich zu diesem Thema zugeköpft.

Chablis Grand Cru - auch verschraubt

Die Kellerei Michel Laroche bietet auch Chablis Grand Cru mit Schraubverschluss an.

Weiterlesen.

Auch die USA kennen nun den Glasverschluss

Der Vino-Lok-Glasverschluss findet immer mehr Anhänger. Bereits 500 Erzeuger in aller Welt nutzen die Alternative zum Naturkork.

Bis zum Ende des Jahres 2006 erwartet der Hersteller Alcoa eine Gesamtverkaufszahl von 14 Millionen Glasstopfen. Die bislang 500 Erzeuger weltweit, welche mit dem System arbeiten, befinden sich vor allem in Deutschland und Österreich, aber auch in Italien, dem Elsass, in Südafrika und neuerdings in den USA: Der kalifornische Erzeuger Leal Vineyards war der Vorreiter mit einem 2005er Sauvignon blanc.

Problematisch ist der Markt allerdings nach wie vor im Rest Frankreichs. Die großen Anbaugebiete Bordeaux, Burgund, Loire oder Languedoc-Roussillon müssen noch von den Vorzügen des neuen Produkts überzeugt werden.

Nach Angaben von Alcoa Deutschland gibt es derzeit keine Lieferprobleme mit dem Glasverschluss.

Quelle: u.a. Alcoa

Australien - auch Grange künftig mit Schraubverschluss

Bisher unbestätigte Meldungen lassen aufhorchen. Das australische Weingut Penfolds plant, auch seinen Spitzenwein Grange mit einem Schrauberverschluss abzufüllen - zumindest teilweise. Schon bislang haben Kunden bei einigen Weinen - etwas beim Block 42 - die Möglichkeit, in der Subskription die verschraubte Variante zu ordern. Auch vom Grange wird allerdings die Kork-Variante weiterhin im Angebot sein. Grange wäre der weltweit teuerste Rotwein, der mit Schrauber auf den Markt kommt.

Wann das Experiment startet, ist noch nicht bekannt gegeben worden. Möglicherweise kann bereits der 2005er Grange mit Alternativverschluss gekauft werden.

NATO kämpft gegen Kork

Ausgerechnet die transatlantische Verteidigungsorganisation NATO investiert Forschungsgelder im Kampf gegen den Korkgeschmacksverursacher Trichloranisol (TCA).

Im Rahmen ihres Programms "Wissenschaft für Frieden" investiert die NATO knapp 250.000 britische Pfund (umgerechnet etwa 365.000 Euro) in die Verbesserung der Korkqualität. Insbesondere der Kampf gegen TCA steht auf der Agenda der Organisation, welche die Bedeutung der Korkindustrie für Nordafrika und die dortige Wirtschaft betont. Ein Forschungsteam der schottischen Universität Paisley unterstützt die Wissenschaftler aus Marokko, Tunesien sowie Portugal und Italien.

Das vermutlich witzigste Video zum Thema Kork

Bonny Doon macht sich über die Leidenschaft vieler Korkbefürworter lustig, die noch immer der Ansicht seien, dass guter Wein immer verkorkt sein muss.

Stuart Pigott: kein Kork, jedenfalls nicht beim Wein

"Kork ist ein exzellentes Dämmaterial und macht einen schönen Fußboden, aber bitte nicht in Kontakt mit Wein."

Weinhof bleibt beim Kronkork

siehe Rubrik Erfahrungen

Domaine Chandon mit Kronkorken


Der kalifornische Erzeuger Domaine Chandon präsentiert seine Cuvée Étoile mit Kronkorken. Man gehe neue Wege, hieß es von Produzentenseite. Sowohl der 2000er brut als auch der 2001er Rosé werden mit der neuen Verschlussvariante ausgeliefert.

 

Auf seiner Internetseite sowie in Pressemitteilungen gab der Erzeuger bekannt, dass der neue Verschluss Frische bei jeder geöffneten Flasche garantiere.

 

Bislang sind hochwertige Schaumweine mit Kronkork noch eine Ausnahme. Lediglich einige wenige Erzeuger in Deutschland und Österreich füllen ihre Sekte teilweise mit stainless cap, bei den großen Erzeugern in Frankreich, Italien und Kalifornien ist der Kronkorken noch weitgehend verpönt. Und die Champagnerhäuser dürften gar nichts anderes als Naturkork verwenden (lediglich für Mini-Portionsflaschen gibt es eine Ausnahme) - selbst wenn sie es wollten.

Österreich ist Vorreiter

Die im Folgenden publizierte Liste jener Betriebe in der Alpenrepublik, die ganz oder zum großen Teil auf Alternativverschlüsse umgestellt haben, wurde vom österreichischen Weinautor Michael Prónay zusammengestellt. Sie ist allerdings bereits wieder von der Wirklichkeit überholt worden und wird nach und nach ergänzt.

 




SCHRAUBER

Allacher Andrelhof, Gols; Alphart, Traiskirchen; Artner, Höflein; Diwald, Großriedenthal; Eberherr, St. Margarethen; Ehm, Waidendorf; Ehn, Langenlois; Freie Weingärtner, Dürnstein; Fritsch, Oberstockstall; Gerhold, Gösing; Grill, Fels; Haimerl, Gobelsburg; Hirsch, Kammern; Huditsch, St. Margarethen; Jurtschitsch, Langenlois; Kölbl, Röschitz; Leithner, Langenlois; Maglock, Straß; Loimer,Langenlois; Maitz, Ratsch; Sepp Moser, Rohrendorf; Nadler, Arbesthal; Nastl, Langenlois; Neustifter, Poysdorf; Biohof Pratsch,
Hohenruppersdorf; Prechtl, Zellerndorf; Preschitz, Weiden; die Gemeinschaft "Primus Pannonikus"; Reithner, Droß; Schneider Cobaneshof, Gobelsburg; Schwarzböck, Hagenbrunn; Söllner, Gösing; Steinschaden, Langenlois; Strauch, Wien; Taubenschuss, Poysdorf; Wieninger, Wien; Zull,
Schrattenthal; und Zwickelstorfer, Höflein.

GLAS

Jurtschitsch, Langenlois; Helmut Preisinger, Gols (rot!); Sattler, Gamlitz; Hannes Sabathi, Gamlitz; Stadt Krems; Summerer, Langenlois; Tement, Berghausen; Umathum, Frauenkirchen (rot!); Winkler-Hermaden,
Schloss Kapfenstein.

(Liste: Michael Prónay)

Symposium zum Thema Kork

Die Akademie Amorim, benannt nach dem gleichnamigen Hersteller von Flaschenkorken, lud Journalisten und Wissenschaftler zu einem Symposium. Dass am Schluss ein eindeutiges Votum für den Naturkork steht, konnte niemanden überraschen.

Pressemitteilung Amorim:

Unter der Schirmherrschaft der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) hat die Académie Amorim europäische Experten gebeten, in drei Rundtisch Gesprächen die Frage des Weinverschlusses zu analysieren um schlussendlich ein einvernehmliches Ergebnis präsentieren zu können.

Die Ergebnisse wurden jetzt auf dem Weltkongress für Rebe und Wein am 28. Juni 2006 in Logroño (La Rioja) in Spanien vorgestellt. Jenseits wirtschaftlicher Aspekte ging es zum einen um die Auswirkungen auf die Weinqualität, zum anderen aber vor allem auf die Umwelt. Am Ende konnte sich quer durch alle drei Expertenrunden der Naturkorken sowohl in kultureller Hinsicht als auch unter Umwelt- und önologischen Gesichtspunkten durchsetzen.

Verschwindet der Naturkork?


Alte Korken verlieren oft an Elastizität

Die Beratungsfirma Skalli & Rein Consulting hat eine Studie über alternative Verschlüsse vorgestellt und kommt zu folgenden Schlüssen:

  1. wenn die Naturkorkhersteller nicht reagieren, könnte Naturkork als Flaschenverschluss im Jahr 2015 weitgehend verschwunden sein.
  2. der Schraubverschluss wird seinen Siegeszug der letzten sechs Jahre fortsetzen und seinen Marktanteil weiter ausbauen.
  3. Natur- und Kunststoffkorkhersteller müssen sich auf Konsumenten einstellen, die keinen Korkenzieher nutzen wollen.
  4. eine mögliche Preiserhöhung bei den Materialien, die für Schraubverschlüsse oder Synthetikkorken verwendet werden, könnte den Wechsel von Naturkork auf Alternativen verlangsamen.

Kühn wechselt vom Kronkorken zum Schraubverschluss

Das Weingut Peter Jakob Kühn sah sich gezwungen, mit dem Jahrgang 2005 erneut einen Verschlusswechsel vorzunehmen. Grund waren Lieferprobleme des Herstellers. (Siehe unter Erfahrungen.)

Meereswein schmeckt jünger

Roter Bordeaux, der 12 Monate auf dem Meeresgrund verbracht hat, schmeckt nicht nur jünger, sondern auch komplexer. So lautet jedenfalls das Ergebnis eines Experiments in der Bretagne.

Ein Verein in Saint-Malo hatte vor einem Jahr 600 Flaschen roten Bordeaux in 15 Metern Tiefe vor der bretonischen Küste versenkt, gestern wurden die von Ebbe und Flut durchgeschüttelten Bouteillen geborgen. Sie seien in einem perfekten Zustand, teilte der Verein mit, und schmeckten frischer und vielschichtiger als an Land gelagerte Vergleichsflaschen - was auch auf den Einfluss der Gezeiten zurückzuführen sei.

Die Meeresflaschen können für 20 Euro (statt 11,50 Euro Originalpreis) erworben werden.

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