Unterschiedliche Kork-Qualitäten, erkennbar u.a. an der Anzahl und Größe der Poren. Ein Hinweis auf TCA ist damit nicht verbunden. (Foto: Wolfgang Faßbender)

Kork - ohne TCA?

Ein bisschen erinnert der Versuch, TCA-freien Kork auf den Markt zu bringen, an die mittelalterliche Suche nach der magischen Formel für Gold. Die Ideen der Korkhersteller sind schier unerschöpflich, dem Naturkork seine mindestens potenziell schädlichen Ingredienzien auszutreiben. Von strengsten Prüfverfahren bis zu Behandlungen der Korken mit Mikrowellen oder Chemikalien reichen die Methoden. Doch es hat sich gezeigt, dass längst nicht alle angekündigten Neuheiten den gewünschten Erfolg zeitigten. So manche mit Pressemitteilungen groß publizierte Revolution entpuppte sich nach einiger Zeit als Fehlschlag. Ganz so einfach, wie manchmal behauptet, ist die Entfernung schädlicher Stoffe aus dem Naturprodukt Kork nicht.

Delfin - hohe Erwartungen an ein angeblich revolutionäres Verfahren

Kein anderes Verfahren wurde mit so viel Vorschusslorbeeren bedacht wie die angebliche sensationell zuverlässige und neue Delfin-Methode. Das im Jahr 2000 der Öffentlichkeit vorgestellte Verfahren ist von der portugiesischen Korkfirma Juvanal Ferreira da Silva, der pfälzischen Firma Ohlinger sowie von Mitarbeitern der Neustädter Forschungsanstalt entwickelt worden. Delfin steht für Direct Environmental Load Focussed Inactivation.

Der Gedanke hinter dem Verfahren ist bestechend: kein Wunder, dass die Medien im In- und Ausland euphorisch und häufig kritiklos über die angebliche Wunder-Methode berichteten. Mittels Mikrowellentechnik, so das Grundprinzip, werde erstens das vorhandene TCA signifikant verringert, würden zweitens Mikroorganismen im Kork abgetötet: Das nachträgliche Entstehen des Korkgeschmacks sollte dauerhaft verhindert werden. Weitere Maßnahmen, unter anderem die besonders sorgältige Verarbeitung der Rinden in Portugal sowie die akribische Endkontrolle, ergänzen die Mikrowellenbehandlung.

Obwohl der Delfin-Korken noch heute am Markt ist, spricht niemand mehr von einer Revolution. Eine Garantie für TCA-Freiheit wird vom Hersteller nicht übernommen. Weingüter, die mit dem Delfin-Korken Erfahrungen gesammelt haben, berichten weiterhin von signifikanten TCA-Raten, die sich nicht von denen konventionell behandelter Korken unterscheiden. Exakte Zahlen sind nicht zu erhalten, doch darf inzwischen bezweifelt werden, dass es sich bei Delfin um eine revolutionäre Methode handelt.

Infos des Herstellers: www.delfin-korken.de

Infos zu Delfin im Glossar von Wein-Plus: http://www.wein-plus.de/glossar/Delfin.htm

DIAM - gepresst, aber TCA-frei

Als bisher einzige sichere Methode, den Stoff 2,4,6-Trichloranisol aus dem Kork zu entfernen, gilt nach heutigem Stand der Wissenschaft das DIAM-Verfahren. Doch die Garantie des Herstellers wird mit einem nicht zu vernachlässigenden Nachteil erkauft. DIAM ist nämlich kein "originaler" Kork, aus den Korkrindenplatten gestanzt, sondern wird aus Korkfragmenten gepresst. Erst diese Auflösung und erneute Zusammensetzung des Rindenmaterials macht eine besondere Behandlungsmethode möglich.

Der DIAM-Hersteller, die Oeneo-Gruppe, garantiert, dass ihre Produkte keine "quantifizierbare" Konzentration an 2,4,6-TCA aufweisen. Damit sind zwar nicht alle problematischen Inhaltsstoffe beseitigt, doch zumindest der Hauptverursacher des unangenehmen Korkgeschmack wird zur Strecke gebracht. Der Weg dazu führt über das Korkgranulat (das nach Angaben des Herstellers aus hochwertigen Rindenabschnitten gewonnen wird und nicht aus Abfallprodukten besteht) und die Behandlung desselben mit superkritischem Kohlendioxid. Mit diesem Verfahren sollen nicht nur Anisole, sondern auch Mikroorganismen beseitigt werden.

In mehreren Studien scheint sich die Wirksamkeit der DIAM-Methode bestätigt zu haben. Zumindest das Trichloanisol wird offenbar zuverlässig beseitigt. Damit unterscheidet sich der DIAM-Korken fundamental von den bislang schon lange auf dem Markt zu findenden Presskorken: Bei ihnen sind sowohl Mufftöne als als echte Korkschmecker nicht gerade selten.

Das einzige DIAM-Problem ist offenbar die Optik. Mit einem Naturkorken hat das Produkt nicht allzu viel gemein, der Verbraucher dürfte noch eine Weile Presskorken mit "billig" assoziieren. Immerhin lässt sich mit einem großformatigen Korkbrand zumindest für flüchtige Beobachter kaschieren, dass es sich um einen Presskork handelt.

Informationen des Herstellers: www.diam-korken.de

Infos im Glossar von Wein-Plus: http://www.wein-plus.de/glossar/Diam.htm

Das Suberase-Verfahren

Die Behandlung des Korks mit Enzymen ist kein völlig neues Verfahren; zahlreiche Varianten wurden bereits getestet, doch keine wurde mit ähnlichem Aufwand propagiert wie das so genannte Suberase-Verfahren. Wissenschaftler der Fachhochschule Geisenheim entwickelten die Behandlung des Korkens mit der Phenoloxidase Suberase im Jahr 1999.

Welchen Erfolg die Methode hatte und noch hat, ist umstritten. Selbst die Experten in Geisenheim sprachen nie davon, dass vollständige TCA-Freiheit zu erreichen sei. Vielmehr ist in fachlichen Beiträgen nur von "deutlicher Wachstumshemmung" der schädlichen Mikroorganismen die Rede. Winzer, die mit der Methode Erfahrungen gemacht haben, sind teilweise von ihrer früheren Begeisterung wieder abgerückt. Das Weingut Kallfelz an der Mosel jedenfalls distanziert sich von dem Suberase-Verfahren und einer Werbung, die von der Suberase-Herstellerfima verwendet wurde.

Infos im Glossar bei Wein-Plus: http://www.wein-plus.de/glossar/Suberase.htm

ProCork

Im Jahr 2003 kursierten die ersten Pressemeldungen über ein neues Verfahren zur Versiegelung des Naturkorks. Ein australischer Hersteller war auf die Idee gekommen, den Kork an beiden Enden mit einem Überzug (einer Membran) zu versehen, der diesen hermetisch vor dem Wein abschirmen sollte. Substanzen, die für die Fehltöne im Wein verantwortlich sind - so die Vorstellung -, sollten nicht mehr in die Flüssigkeit übergehen können, sondern im Kork verbleiben.

Erfahrungsberichte über diese Variante der TCA-Vermeidung scheinen noch keine endgültige Gewissheit über die Pro-Cork-Erfolge zu geben. Für die Variante scheint zu sprechen, dass Phenole in geringerem Umfang in den Wein übergehen. Andererseits scheint auch der Hersteller nicht ausschließen zu wollen oder zu können, dass Trichloranisol, sofern es im Kork entsteht, mit dem Wein in Berührung kommt - und sei es nur beim Öffnen der Flasche oder nach demselben. Die Seitenwände des Korkens sind nämlich nicht geschützt, das auch in geringsten Konzentrationen wahrnehmbare TCA könnte sich im Flaschenhals festsetzen und auf diese Weise den Wein quasi durch die Hintertür verseuchen.

Webseite des Herstellers: www.procork.com.au

H.I.S.S. - angeblich hermetisch

Ähnlich wie ProCork funktioniert auch der vom deutschen Ingenieur Ludwig Hiss erfundene H.I.S.S. (Hermetic Internal Solid Seal - hermetischer innerer stabiler Verschluss). Auch hier wird die Innenseite des Korkens geschützt. Zu diesem Zweck stülpt die Verkorkungsmaschien bei der Flaschenabfüllung einfach ein Zinnhütchen (scherzhaft auch Verhüterli genannt) über den Korken. Beim Öffnen der Flasche gleitet die Kappe mit dem Korken heraus. Ob sich der H.I.S.S allerdings durchsetzen wird oder ob TCA nicht weiterhin in den Wein gelangen kann (etwa durch Anhaften am Flaschenhals), ist allerdings umstritten.

 

Infos zu H.I.S.S. im Glossar bei Wein-Plus: http://www.wein-plus.de/glossar/H.I.S.S..htm

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